Ein halbes Leben trennt Andreas Vitásek (58) und Otto Jaus (31), den Haupt- und den Förderpreisgewinner beim Österreichischen Kabarettpreis. Wie "Wiener Zeitung" hat die beiden zum Doppelinterview gebeten, das sehr launig verlaufen ist und irgendwann vom Eingangsthema Politik beim Einkaufen von Schuhen gelandet ist.

"Wiener Zeitung": Wir haben einen neuen Vizekanzler. Schreiben Sie jetzt Ihr Programm um?

Andreas Vitásek: Ich nicht, weil es kein tagespolitisches Kabarettprogramm ist. Michael Spindelegger ist nicht vorgekommen. Ich mache eigentlich hauptsächlich das, was mich gerade beschäftigt, und die Politik hat genau den prozentuellen Anteil im Programm, den sie auch sonst bei mir einnimmt. Es gibt da ja auch den Alltag, Beziehungen, Überlegungen: Wie geht`s weiter, woher komm ich, wohin geh ich? Über den Daumen sind es 25 Prozent Politik. Ich versuche immer mehr weg zu gehen von einzelnen Personen, weil die so kurzlebig sind, und dann kann man ein Programm nicht länger als ein paar Monate spielen. Die Figuren sind so austauschbar in der Politik, da finde ich eher die Zusammenhänge interessant.

Politik? Kein Thema für den Vitásek. - © Philipp Hutter / www.philipphutter.com
Politik? Kein Thema für den Vitásek. - © Philipp Hutter / www.philipphutter.com

"Wiener Zeitung": Sie erzählen auf der Bühne oft aus Ihrem Leben. Wie viel davon ist wirklich wahr und nicht nur gut erfunden?
Andreas Vitásek: Die Basis, der Ausgangspunkt ist hundertprozentig authentisch. Die Bearbeitung geht dann natürlich ins Märchenhafte und Ausgeschmückte. Weil wenn ich mein Leben so erzählen würde, wie es wirklich abläuft, würde es niemanden interessieren, weil es so langweilig ist wie das Leben von jedem anderen. Ich muss das also wie ein orientalischer Märchenerzähler ausschmücken. Aber prinzipiell sind die Geschichten erlebt.

Twittern? Kein Thema für den Jaus. - © Philipp Hutter / www.philipphutter.com
Twittern? Kein Thema für den Jaus. - © Philipp Hutter / www.philipphutter.com

"Wiener Zeitung": Otto Jaus, gibt es die Ex-Freundin aus dem Siegerprogramm "Fast fertig" tatsächlich? Oder ist die auch nur gut erfunden? Und ist Ihr Programm irgendwann ganz fertig?
Otto Jaus: Ich glaube, ganz fertig ist man nie. Ich hab nach den Sängerknaben geglaubt, ich bin fertig, was soll mir noch viel passieren? Dann hab ich es nach dem Bundesheer geglaubt, dann nach der ersten Beziehung. Man darf im Leben nie glauben, dass man fertig ist. Fertig ist man erst dann, wenn man die Augen zumacht und nimmer aufmacht. Und das wissen wir ja auch nicht so sicher, wer weiß, was dann noch passiert.
Das Programm bin jedenfalls ich, das sind Geschichten und Themen, die mich interessieren. Es gibt die Ex-Freundin, es hat den Kreuzbandriss und den Zahnarzt gegeben. Jedes Lied, das ich schreibe, ist auch so passiert. Es geht dem Publikum dann ans Herz, wenn es eine Ehrlichkeit spürt. Natürlich ist es überzogen, aber trotzdem ist es für mich ganz wichtig, dass das Publikum weiß: Das ist der Otto.