"Wiener Zeitung": Sie haben einmal gedichtet: "Wär ich für einen Tag der Präsident . . ." Würde Sie das Amt tatsächlich reizen?
Andreas Vitásek: Nein. Definitiv nicht. Das war ein Traum, aber eher ein Alptraum als ein Wunschtraum. Ich kann mir vorstellen, dass das ein wahnsinnig unangenehmer Job sein kann. Für die Politik braucht man eine eigene Persönlichkeits- und Charakterstruktur. Und ich glaube auch die Zeit dieser Quereinsteiger ist vorbei. Die haben glaube ich alle ganz schlechte Erfahrungen gemacht und auf Beton gebissen. Und auch die Parteien sind draufgekommen, dass sie mit diesen Quereinsteigern nicht so punkten können wie erhofft.

"Wiener Zeitung": Wo würden Sie gerne quereinsteigen, abseits der Politik? Würden Sie gern was anderes machen als Kabarettist zu sein?
Andreas Vitásek: Nichtstun wäre ganz reizvoll. Ich spiel ja Lotto, und da hab ich meine Zahlen, mit denen ich zwanghaft spiele, weil ich Angst habe, dass sie kommen, wenn ich einmal nicht spiele. Und da denke ich mir, das Schlimmste, was passieren könnte, wäre ein Lotto-Gewinn, weil ich da aufhören würde zu arbeiten. Ich bin eigentlich sehr zufrieden. Und wenn ich einmal was anderes machen möchte, dann würde ich das eh tun. Es gibt zum Beispiel Überlegungen, einmal zu inszenieren oder ein Buch zu schreiben. Aber das sind alles Sachen, die ich eh angehen kann. Einen Traum, den ich nie machen kann, gibt es nicht.

"Wiener Zeitung": Es wird auch sicher ein 13. Programm geben, das sie schon im Kopf haben?

Andreas Vitásek: Jetzt spiele ich einmal das zwölfte. Und dann lasse ich mir viel Zeit zum Überlegen. Ich versuche mir weniger Druck zu geben und mehr Zeit zum Ausarbeiten. Ich glaube, ein wesentlicher Grund für den Erfolg von "Sekundenschlaf" war auch, dass ich mir ein halbes Jahr Zeit dafür genommen hab. Ich hab dabei das Doppelte geschrieben von dem, was ich dann verwendet hab. Das heißt, ich hab wegschmeißen können, neu überarbeiten. Beim vorigen Programm hatte ich mir nur drei Monate Zeit genommen, und das war eindeutig zu kurz.

"Wiener Zeitung": Otto Jaus, wie sieht es bei Ihnen aus? Ist der Förderpreis ein Schub oder doch eher eine Belastung, weil jetzt der Erwartungsdruck höher ist? Was war Ihr erster Gedanke?
Otto Jaus: Ich bin schon wahnsinnig nervös und überlege, was ich jetzt machen soll. Natürlich, ich war unfassbar glücklich, ich konnte es gar nicht glauben. Ich hab ja erst im Jänner mit meinem Programm angefangen – und jetzt das! Ich habe schon vor dem Preis gesagt, dass mein nächstes Projekt kein pures Kabarett werden soll, sondern ein Bandprojekt, vielleicht ein 50er-/60er-Liederabend oder auch was Klassisches mit Beethoven, Mozart, Schubert, das möchte ich einmal ausprobieren, wie das ankommt. Da kommt der Sängerknabe durch. Ich schreibe auch schon an neuen Sachen, die probiere ich schon im jetzigen Programm als Zugabe aus. Aber natürlich ist dieser Preis ein Druck, wo ich mir denk: Oida, jetzt muss i mi anstrengen, halleluja! Und gleichzeitig kommen jetzt so viele Angebote für Engagements rein, auch für eine Oper, die mich reizen, aber ich weiß gar nicht, ob ich das kann. Da muss ich mich jetzt einmal hinsetzen und sagen: Otto, was willst du tun?
Andreas Vitásek: Sagst du Otto zu dir selbst? Siehst, das mach ich auch manchmal, vor allem beim Tennis: Andi, jetzt reiß di zsamm! Andi, bitte jetzt konzentrier di!
Otto Jaus: Mir geht’s eher beim Bowling so oder beim Billard.