Auch im elften Programm bleibt Gunkl seiner Linie treu. - © G. Fuderer
Auch im elften Programm bleibt Gunkl seiner Linie treu. - © G. Fuderer

Es beginnt in der Kindheit. Gunkl war schon "ab Werk passend", behauptet er selbst. Ein Kind, das lieber selbst herausfand als fragte. Weil es oft nicht leicht ist, die richtigen Fragen für die richtigen Antworten zu stellen. Oder weil einfach oft die falschen Antworten auf richtig scheinende Fragen kommen. Und dies erläuternd, schwelgt Kabarettist Günther Paal alias Gunkl, der philosophischste aller österreichischen Kabarettisten, in Kindheitserinnerungen, die er als Brücke nutzt, um gleich zu Beginn die Schwarmintelligenz anzuzweifeln und den ersten von vielen Patschen an diesem Abend aufzuzeigen: menschliche Kommunikationsschwächen.

Als Beispiel dafür muss der Kasperl herhalten, der ihn als Kind verwirrt hat mit seiner völlig sinnlosen Frage: "Seid ihr alle da?" Warum diese Frage - und ihre zweimalige Wiederholung - so sinnlos ist, darüber sinniert Gunkl dann die nächste Viertelstunde lang. Und beweist dabei, dass er Probleme aufzeigt, die andere gar nicht wahrnehmen würden. Währenddessen fragt sich der kleine Gunkl: Halten die Erwachsenen uns Kinder für blöd? Und sollen wir Kinder womöglich so lange blöd sein, bis wir in unserer Blödheit draufkommen, dass wir blöd sind, und als Konsequenz daraus gescheit werden? Und warum dürfen Kinder Sachen, die Erwachsene nicht dürfen? Vor allem aber: Es gibt auch Erwachsene, die blöd sein dürfen.

Und Gunkl wäre nicht Gunkl, würde er zu all dem nicht eine philosophische Erklärung abliefern - nur um diese gleich darauf in der Luft zu zerreißen. Das kann man ermüdend finden - oder aber unheimlich unterhaltsam. Und so hört man ihm auch gerne zu, wie er Schuhe bindet, wie er erklärt, warum "Ja" nicht automatisch die bessere Antwort ist, welche Probleme er mit Motivationsseminaren hat, warum ihm ein eigener Begriff für "wollen sollen" fehlt, warum "können" alleine zu wenig ist, warum Politiker bitte ja nicht "Vertrauen herstellen" sollen und dass Zoos mehr Tiere verbrauchen (verfüttern), als sie ausstellen.

Kurzsichtige Religionskritik


Doch aus diesen lichten Argumentationshöhen stürzt der Meister der Schachtelsätze, der die Welt erklärt wie kein anderer, leider nach der Pause kurzzeitig ab, wenn er wieder einmal die Keule über die Religionen schwingt und den Glauben auseinandernimmt, wobei sich seine Religionskritik leider als etwas kurzsichtig erweist. Da wäre es vielleicht besser gewesen, er hätte es beim nachfolgenden Plädoyer für die Wissenschaft ("Erkenntnis ist lustvoll, das beweist die Hirnforschung") belassen. Aber Günther Paal macht eben kein Kabarett für das Publikum, sondern sagt, was er sagen möchte, wie er gerne betont. Deshalb nimmt er auch keine Rücksicht auf etwaige Befindlichkeiten der Zuhörerschaft, der er immerhin einen schwachen Trost mit auf den Weg gibt: Die Menschheit, die aus seiner Sicht noch immer in der Pubertät feststeckt, wird irgendwann erwachsen, "auch wenn wir es nicht mehr selbst erleben werden".

Kabarett

Gunkl: So Sachen - ein Stapel Anmerkungen

Wh.: 5., 6., 17. bis 20. und 24. bis 26. September, 20. Oktober Stadtsaal Wien