Wie man die Neuen Medien richtig nutzt, führt derzeit der Kabarettist Wolfgang Feistritzer vor: Der Kärntner hat mit seinem Alter Ego "Petutschnig Hons" schon fast zwei Millionen YouTube-Klicks erreicht, und ab 23. September darf der wütende Bauer aus Schlatzing nun sein erstes eigenes abendfüllendes Programm bestreiten. Dabei ist die Kultfigur, die mit der englischsprachigen Version des YouTube-Videos "Milk vs. Red Bull" sogar in den USA für Furore gesorgt hat, ganz spontan entstanden: "Ich bin in Arbeitsmontur auf dem Feld gestanden und hab zu meiner Frau gesagt: Komm, mach ma ein kleines Video zur Gaudi", erzählt Feistritzer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", der auch im richtigen Leben Nebenerwerbsbauer ist. Dem ersten Video folgte ein zweites, "das war ursprünglich nur ein Spaß und nicht als Programmfigur geplant". Doch aus Spaß wurde Ernst, und so bekam der "Petutschnig Hons" sein eigenes Programm "Auf’s Maul". Einen Vorgeschmack darauf gibt Feistritzer vorab bei der "Langen Nacht des Kabaretts".

Für Feistritzer ist es eine neue Erfahrung, weil er weg vom Nummernkabarett geht und stattdessen dem Publikum einen ganzen Abend lang aus der Sicht einer Figur erzählt. "Ich fühle mich wohl dabei, weil das, was ich da erzähle, authentisch ist." Mit dem EU-Bauer vom Villacher Fasching will er nicht verglichen werden. "Ich mache was anderes, insofern hoffe ich nicht, dass irgendwer im Publikum da Ähnlichkeiten sieht. Der Hons erzählt ja keine Witze, sondern Geschichten aus seinem Leben. Und ich drück auch nicht auf irgendwelche Pointen, mit Fasching hat das nix zu tun."

"Für Kleinbauern wird es schwieriger"

Und Feistritzer kann aus erster Hand erzählen. Er hat schließlich selbst einen kleinen Hof mit 35 Rindern, rund 100 Hühnern, 15 Hektar Grünland und 13 Hektar Wald. "Bis vor fünf Jahren war ich im Nebenjob Vermessungstechniker, und wenn ich jetzt nicht das Kabarett machen würde, müsste ich mir einen anderen Zusatzjob suchen, weil ich auch mit der Direktvermarktung von der Landwirtschaft alleine nicht leben kann", erzählt er. "Nur vom Kabarett könnte ich aber auch nicht leben, also passt es so ganz gut." Als Biobauer bekommt er zwar einen etwas besseren Milchpreis, aber "einfach ist es nicht". Deshalb kommen viele rundherum nicht umhin, ihre Betriebe aufzustocken, um mit ihrer Landwirtschaft das Auskommen zu finden. "Für viele gibt es keinen anderen Ausweg, zumal 2015 das Milchkontingent fallen wird, da wird es für kleine Bauern noch schwieriger."

Während sowohl die Figur als auch ihren Schöpfer also die Lage der heimischen Landwirte massiv beschöftigt, spielt aktuelle Tagespolitik im neuen Programm keine so große Rolle. "Wenn, dann geht es eher um eine untere Ebene. Ich spreche nicht direkt die Politiker an, aber das, was die Menschen in ihrem Leben bewegt", meint Feistritzer. "Und im Prinzip ist dem ‚Petutschnig Hons‘ wurscht ist, wer unter ihm Bürgermeister ist." Dafür gibt es sehr viele andere Personen und Themen, die dem streitbaren Landwirt die Grausbirnen aufsteigen lassen. Und wenn es Feistritzer einmal wieder besonders juckt, macht er auch gleich ein neues Video, das dann online geht. Red Bull hat sich übrigens noch nicht bei ihm gemeldet, nachdem er den Energy-Drink mit Milch verglichen hat. "Die haben leider noch nichts überwiesen für die Gratis-Werbung."