Man verstehe Frauen immer erst, wenn es zu spät ist - so lautete das Fazit eines Zuschauers nach der ersten Vorstellung der aktuellen "Rusalka"-Aufführungsserie an der Staatsoper. Das ist eine durchaus mögliche Deutung der alptraumhaften Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf. In seiner trostlosen Welt siegt der Sex über die Liebe, und an der Unschuld wird buchstäblich Blut geleckt.

Dessen ungeachtet wird ganz beachtlich gesungen: Olga Bezsmertna sprang in der Titelpartie für die erkrankte Kristine Opolais ein und gewann nach vorsichtigem Beginn an Intensität. Souverän agierte auch Janina Baechle (Hexe Jezibaba), rollenkonform kantig Monika Bohinec (Fremde Fürstin) und wunderbar sonor der Bass des spielfreudigen Günther Groissböck (Wassermann). In einer einmaligen Kombination aus Vokalmacht und tenoralem Schmelz war Piotr Beczałas Einstieg als Prinz am Ende des ersten Akts fulminant. Eine Freude auch die kleinen Partien: Gabriel Bermúdez (Heger) und Stephanie Houtzeel (Küchenjunge) präsentierten sich als stimmlicher Luxus, ebenso die drei perfekt aufeinander abgestimmten Elfen, allen voran Valentina Nafornita.

Dumpfe Dramatik zu Beginn


Dem Dirigat von Tomáš Netopil, der dieses Werk besser kennt als die meisten Berufskollegen, merkte man das bei Repertoirevorstellungen übliche Fehlen von Orchesterproben an. Zu nebulös, zu dumpf tönte im offensichtlichen Streben nach höchster Dramatik vor allem der erste Akt. Derartige Abstimmungsschwierigkeiten sollten sich in den Folgevorstellungen aber meistern lassen.

Oper

Rusalka

Wiener Staatsoper

Wh.: 10. und 13. September