"Ich beschreibe den Schrecken meiner Zeit." Peter Turrini bleibt auch im PC-Zeitalter der Schreibmaschine treu, im Zweifingersystem hat er damit sein Lebenswerk zu Papier gebracht . - © Moritz Schell
"Ich beschreibe den Schrecken meiner Zeit." Peter Turrini bleibt auch im PC-Zeitalter der Schreibmaschine treu, im Zweifingersystem hat er damit sein Lebenswerk zu Papier gebracht . - © Moritz Schell

"Da schrieb ich unter Einfluß von Drogen in wenigen Wochen ein Theaterstück. Ich wollte alles, was sich in den letzten Jahren an Druck in mir angesammelt hatte, loswerden. Ich wollte auf keinen Fall mehr zurück in den ‚bürgerlichen‘ Beruf, hatte aber auch keine Ahnung, wie es weitergehen sollte."

Peter Turrini hat diesen Drogentrip Ende der 1960er Jahre erlebt, das Ergebnis war "Rozznjogd". Sein erstes Bühnenstück, 1971 am Wiener Volkstheater uraufgeführt, machte den damals 27-Jährigen schlagartig bekannt. Das Eingangszitat stammt aus "C‘est la vie - Eine Revue", seinem jüngsten, autobiografisch geprägten Bühnenstück, das anlässlich seines 70. Geburtstags im Theater in der Josefstadt uraufgeführt wird (Premiere ist heute, Mittwoch).

Im Zeitgeist

Zwischen diesen beiden Stücken hat Peter Turrini erstaunliche Metamorphosen durchgemacht - vom Bürgerschreck zum Staatskünstler bis hin zum meistgespielten österreichischen Gegenwartsdramatiker. Dabei hat Turrini ununterbrochen weitergeschrieben - er hat beinahe 40 Stücke verfasst, sowie etliche Drehbücher, Hörspiele, Romane, Novellen und Gedichtbände. Seine Werke sind in 30 Sprachen übersetzt. "Eigentlich stehen irgendwo auf der Welt immer zwei bis vier Turrini-Inszenierungen auf dem Spielplan", sagt seine Verlegerin Maria Teuchmann.

Was macht seinen Erfolg aus? Eine Annäherung an das Phänomen Peter Turrini, der am Freitag, 26. September, seinen 70. Geburtstag feiern wird.

"Ich beschreibe den Schrecken meiner Zeit", fasste Peter Turrini sein Anliegen einmal in einem Interview zusammen. In den 1970er Jahren provozierte er durch Sprache, Sujet und Nacktheit auf der Bühne. "Rozznjogd" ist in Wiener Mundart geschrieben, handelt von einem jungen Paar, das sich orgiastisch auf einer Müllhalde ineinander verkrallt und phasenweise splitterfasernackt ist - damals ein Theaterschocker.

Es folgten Stücke wie "Sauschlachten", bei dem ein Außenseiter in der Provinz fertiggemacht wird, "Kindsmord", "Der tollste Tag", frei nach Beaumarchais "Figaros Hochzeit", oder "Die Wirtin", inspiriert von Goldoni, den Turrini als "großen Lehrmeister" bezeichnete. Mit diesen Stücken reihte sich der Autor in die Tradition des sozialkritischen Volksstücks ein, das zu dieser Zeit eine veritable Renaissance erlebte. Turrini traf in seinen Anfangsjahren den richtigen Ton, entsprach dem Zeitgeist.