Für Männer in der Midlife-Crisis empfiehlt sich derzeit ein Gang ins Vienna’s English Theatre. Unzufriedenheit privat oder beruflich? In "Chickenshit" sehen sie, wie andere damit umgehen.

Zu seinem 45. Geburtstag hat Peter gerade das häusliche Mobiliar zertrümmert und die Unterhosen seiner Frau zerschnipselt. Fand er doch den schriftlichen Beweis dafür, dass seine Frau ihn betrügt. Dass er seit Jahren selbst fremdgeht, ist Nebensache. Also kreuzt er allein bei seinen Freunden Stefan und Martin zum Geburtstagsessen auf. Die Männer-WG der beiden versteht sich gerade ob des Fehlens weiblicher Präsenz als "harmonische Beziehung". Im Verlauf der alkoholschwangeren Nacht, gespickt mit misogynen Tiraden, beschließt er, ein neues Leben zu beginnen - als Dritter im Bunde der Männer-WG. Ein neues Leben kann allerdings auch der Schauspieler Stefan beginnen. Durch einen Huster im Publikum geriet er bei einer Aufführung in Raserei und rechnete mit der Zuschauerschaft ab, bevor er das Stück abbrach. ("Entschuldigung, dass Sie Ihr blödes Abo zwingt, ins Theater zu gehen.") Nun ist er arbeitslos, Zukunftsperspektive: mager. Theoretisch kein Problem, hat er doch seine glückliche WG-Partnerschaft. Doch zu allem Überdruss ist Martin mittlerweile in eine Frau verschossen, mit der er zusammenziehen will. Der gemeinsam gefasste Grundsatz, dass Frauen und Männer nicht zum Zusammenleben bestimmt sind, wackelt.

Pseudoerkenntnis


Nach einem vielversprechenden Start balanciert das Stück den schmalen Grat zwischen Lebensweisheit und Pubertätsphilosophie entlang. Gelegentlich hält man nach so mancher schalen Pseudoerkenntnis vergeblich Ausschau nach einem rettenden Witz. Dem Publikum hat das Stück trotzdem gefallen (so wie der Jury des Bayrischen Filmpreises, die die Verfilmung mit Uwe Ochsenknecht 1990 auszeichnete). Das mag auch an der passablen schauspielerischen Leistung gelegen haben.

Alfons Haider spielt das auf Deutsch als "Butterbrot" bekannte Erfolgsstück nicht zum ersten Mal. Die Routine wird dazu beigetragen haben, dass er im English Theatre problemlos die englische Sprachbarriere bewältigt. Howard Nightingall gibt treffend den mal grantelnden, mal altklugen Stefan, während Dave Moskin als zwischen den Fronten hin- und hergerissener Romeo überzeugt.

Direkt von Wien geht das Stück nach New York, an das Österreichische Kulturinstitut.

Theater

Chickenshit

Vienna’s English Theatre

Wh.: bis 19. Okt.