Gaetano Donizettis Meisterwerk "Roberto Devereux" in den halbszenisch-charmanten Bildern von Silviu Purcarete zum 33. Mal an der Wiener Staatsoper, ein bestens disponiertes Staatsopern-Ensemble, erstmals unter der spritzigen Leitung von Andriy Yurkevych (tolle Tempi!) und viele engagierte Rollendebüts: Somit war der Grundstein für einen vergnüglich großen Musiktheaterabend gelegt.

Paolo Rumetz’ satter Bariton war erstmals als Duca di Nottingham zu hören, Monika Bohinec debütierte als geknechtete Ehefrau Sara zu Beginn sehr zurückhaltend, legte im Verlauf der Tragedia lirica aus Liebe, Hass und Tod eine unglaubliche Dramatik in der Stimme an den Tag. Kein Wunder, konnte sie dem wunderschön warm timbrierenden, exakten Tenor des Liebhabers Roberto (Celso Albelo begeisterte) schlicht ergeben sein. Einer der emotionalen Höhepunkte des Abends wurde zweifelsfrei das Abschiedsduett der Liebenden im zweiten Akt.

Dann kam endlich sie: das immerwährende Koloraturwunder Edita Gruberova platzierte sich in einer ihrer zahlreichen Belcanto-Paraderollen betont zurückhaltend, aber bestimmt effektvoll. Und trällerte nicht einfach, sondern erzählte eine unglaublich tief gehende Geschichte. Wie es ist, wenn man als alternde Königin von den letzten Gefährten hintergangen wird. Wenn einem aus Staatsraison die wahre Liebe versagt bleibt. Wenn die treue Hofdame ihr den scheinbar ergebenen Geliebten ausspannt. Ihr Wahnsinnsfinale "Qual sangue versato al cielo" machte deutlich, dass die Gruberova nicht einfach sang, sie war schlichtweg Elisabetta.

Oper

Roberto Devereux

Wiener Staatsoper