Der deutsche Ernährungsprofi und Diätrebell Patric Heizmann kommt mit seinem Programm "Ich bin dann mal schlank" am 15. November ins Grazer Orpheum und am 16. November ins Wiener Theater Akzent. Die "Wiener Zeitung" hat mit dem ausgebildeten Ernährungsberater über Diäten, den Druck, der auf Frauen lastet, gesunde Lebensmittel und Schönheitsoperationen gesprochen.

"Wiener Zeitung": Sind Sie schlank genug?

Patric Heizmann: Also, wenn ich’s nicht bin, wer dann? (lacht) Letztendlich bin ich auch nicht das Vorbild für die Menschen, sondern eher so eine Art Leitplanke. Das heißt, ich weiß, wie es funktioniert, und versuche möglichst viele Tipps zu vermitteln, von denen die Menschen sich ein bis zwei raussuchen sollen, um ein gesünderes und durchaus auch schlankeres Leben zu führen.

Das heißt, Sie geben tatsächlich eine Anleitung zum Schlanksein?

Ja, aber das auf eine sehr amüsante Art und Weise, mit unheimlich viel Humor. Denn letztendlich haben wir ja kein Wissensproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem.

Kann man schlank sein ohne Anstrengung?

Die Anstrengung ist darin begründet, dass wir permanent konfrontiert werden mit Fressereien, und zwar überall. Und das macht es anstrengend, nicht das Schlanksein an sich, sondern diese permanente Verführung. Deswegen ist die Antwort ein klares Nein.

Das heißt, Sport ist gar nicht so wichtig dabei?

Ich versuche, das einmal so zu verpacken: Wir können gar nicht so schnell so viele Kalorien verbrennen, wie wir sie futtern können. Und deswegen ist Sport natürlich durchaus nicht unwichtig, aber die Ernährung macht mit Abstand den größten Anteil aus an einem fitten, schlanken, gesunden Leben.

Muss man sich für die Traumfigur kasteien?

Nein, überhaupt nicht, bloß nicht bitte! Genau das ist nämlich der große Fehler, den alle Menschen machen. Sie nehmen sich zu schnell zu viel vor. Man möchte ganz schnell schlank werden, und das ist falsch.

Also ist es eher ein Langzeitprojekt.

Ich bin kein Mann für die schnelle Nummer. Ich werde keine neue Diät empfehlen, wo man auf Hauruck binnen weniger Wochen viel Gewicht verliert – und zwangsläufig in den folgenden Wochen wieder draufpackt, das heißt, die paar Kilo, die man verliert, kommen mit ein paar zusätzlichen wieder zurück. Letztendlich verfolge ich mit meiner Show ein bestimmtes Ziel: Ich möchte die Menschen ein bisschen beruhigen. Letztendlich geht es um eine Art Defibrillator für dieses verrückte Ernährungsthema. Ich werde zum Beispiel den Menschen erklären, was das einfachste Sportprogramm der Welt ist. Ich werde ihnen erklären, warum sie endlich, endlich wieder mehr Eier essen sollten, und zwar so viele sie wollen, mit Eigelb. In Österreich ist die Cholesterinhysterie genauso groß wie in Deutschland. Und ich erkläre die größten Ernährungsfehler. Wenn man sich da nur ein bis zwei Ideen aus der Show mit rausnimmt, hat man erstens den ganzen Abend viel gelacht und wird zweitens durchaus ein paar Kilo verlieren. Nicht direkt während der Show, aber danach.

Und darf trotzdem noch weiter naschen? Oder ist das ein No-Go?

Oja, man muss sogar naschen. Und jetzt Achtung: naschen lernen. Denn viele Menschen leiden unter Nasch-Demenz. Das ist dieses ständige zwischendurch reinfuttern, ohne es bewusst wahrzunehmen. Essen Sie niemals Süßes aus Hunger, sondern essen Sie sich satt mit richtigen Lebensmitteln, und dann gehört aber zum Beispiel Schokolade unbedingt dazu, aber eben dann mit Genuss.

Haben Sie selbst schon einmal abgenommen oder waren Sie schon immer so schlank?

Ich war früher flauschig und kuschelig. Stark übergewichtig war ich nicht, muss man aber auch nicht sein. Ein guter Fahrlehrer muss nur gut Auto fahren können und wissen, wie es funktioniert. Ich hatte aber auch eine andere Motivation: Ich war früher richtig häufig erkältet. Das war mein Antrieb zur Veränderung.

Also ist wer schlanker ist, auch gesünder?

Das kann man so nicht sagen. Es gibt flauschige Menschen, die topfit sind. Und es gibt Knochen-Mobiles, solche 45-Kilo-Hautständer, die alle paar Wochen krank sind. Man muss nicht zwangsläufig schlank sein. Das ist übrigens auch eine wichtige Message in meiner Show. Man muss nicht zwangsläufig schlank sein. Das ist totaler Quatsch, das sind diese gemachten Ideale. Dass ich schlank sein muss, wenn ich auf der Bühne stehe, hat etwas mit Authentizität zu tun, sonst hätte ich meine Schwierigkeiten, dass die Menschen mir ihr Vertrauen schenken für dieses völlig verfahrene Thema. Aber ich bin nicht das Vorbild. Ich habe eine ganz andere Grundmotivation als eine Hausfrau mit zwei Kindern, die sich nebenberuflich auch noch um den Mann kümmern muss.

Wollen viele von uns zu schlank sein? Ist das noch ein gesundes Maß, was als schlank gilt?

Mir tun ja die Frauen wahnsinnig leid, weil sie unter einem wahnsinnig hohen optischen Erfolgsdruck stehen. Frauen vergleichen sich viel mehr über ihre Optik als Männer. Und sie werden ständig konfrontiert mit diesen Medien-Idealos, das ist ein wahnsinniger Erfolgsdruck. Was ich unglaublich finde, ist, wenn sich irgendwelche Topmodels hinstellen und behaupten, sie essen Fastfood und Schokolade und trinken Cola. Ich könnte da kotzen – das tun die übrigens auch, aber das sagen sie halt nicht dazu. Wir Männer gehen hingegen figurtechnisch tiefenentspannt durchs Leben. Wir setzen uns in der Sauna neben den dicksten Mann und denken uns: Passt doch noch bei mir. Weil wir Realisten sind, und Frauen sind ein bisschen mehr Irrealisten und machen sich ständig Druck.

Sie nennen sich selbst ja einen Diätrebellen.

Was mich nervt ist: Es gibt ja Millionen Diäten. Mit einer Diät abzunehmen ist überhaupt keine Schwierigkeit. Man hält die zwei bis drei Wochen durch, hat die zwei bis fünf oder sogar zehn Kilo weniger, und dann schiebt man es auf die Diät. Wenn die Menschen danach aber wieder zunehmen, was eine völlig normale Reaktion des Organismus ist, weil eine Diät ist ja nichts anderes als einen Hungersnot, wenn sie also danach wieder normal essen und die leeren Kalorientanks wieder auftanken und dabei zunehmen, dann machen sie dafür nicht mehr die Diät verantwortlich, sondern schieben die Schuld auf sich selbst. Und das macht das Selbstwertgefühl kaputt.

Wie schaut es mit dem Body-Mass-Index aus?

Halbwegs kann man sich darauf verlassen, das sind Erhebungen, die es seit Jahrzehnten gibt. Allerdings ist der BMI jetzt nicht allein aussagekräftig. Ich zum Beispiel bin laut dieser Skala mit einem BMI von knapp 27 übergewichtig.

Weil Muskeln schwerer als Fett sind.

Genau, deswegen bin ich da auch skeptisch. Für einen Normalbürger ist es aber zumindest eine grobe Orientierung. Es ist ja so, dass wir permanent von der Süßstoffindustrie verführt werden. Die stopft Fett, Zucker und Salz zusammen, das sind drei Dinge, die uns immer schmecken, das hat einen evolutionären Hintergrund, und sich dagegen zu wehren, das ist kaum schaffbar. Und die Gefahr ist groß, dass wir völlig entgleisen. Deswegen ist eine gewisse Orientierung, etwa in Form des BMI, nicht gleich per se schlecht. Es wäre aber viel wichtiger, sich vielleicht ein klein wenig sportlich zu betätigen, weil man dann automatisch anfängt, anders zu essen. Wer eine halbe Stunde joggen war, der futtert danach keine Tafel Schokolade, das ist so.

Kann man diesen ganzen versteckten Fetten, Zuckern und Salzen überhaupt auskommen? Die stecken ja nicht nur in Fertignahrung, sondern auch in den scheinbar basalen Grundnahrungsmitteln.

Wichtig ist: Man muss erst einmal erkennen, wo das drinnen steckt. Deswegen sollte man zum Ernährungsdetektiv werden, sich einfach einmal einen Monat lang zur Angewohnheit machen, wenn man etwas kauft oder daheim stehen hat, auf die Zutatenliste zu schauen. Und wenn da mehr als fünf Zutaten draufstehen, ist dieses Produkt für eine gesunde Ernährung nicht geeignet, sondern nur für den Genuss. Wenn überhaupt. Und die Nährwertangabe sagt ja auch viel aus. Sich einfach einmal mit den Lebensmitteln zu beschäftigen, das wäre schon einmal sehr wichtig. Das geht aber auch auf eine ganz amüsante Art und Weise, bloß nicht verbissen. Deswegen ist meine Show auch keine Ratgebershow, sondern eine Comedyshow. Mir ist wichtig, dass die Menschen zu fünfzig Prozent lachen und zu fünfzig Prozent Infos auftanken.

Was halten Sie von Schönheitsoperationen?

Die finde ich prinzipiell völlig pervers. Doch jetzt kommt das große Aber: Ich kann jemanden absolut verstehen, wenn er massiv abgenommen hat und jetzt ein ganz anderes Leben führt, aber die Hautlappen am Körper runterhängen. Wenn der sich das dann wegschneiden lässt, dann kann ich das absolut verstehen. Aber wenn ich da Frauen sehe mit dick aufgespritzten Lippen oder dermaßen viel Botox in der Stirn, dass man gar keine Mimik mehr erkennen kann, das finde ich völlig bescheuert.

Und Fett absaugen zu lassen?

Das bringt bei starkem Übergewicht gar nichts, weil ja ein grundsätzliches Problem da ist. Wenn man zum Beispiel eine Reiterhose hat, aber sonst schlank ist, und man bekommt die so gar nicht weg, weil das ja auch genetisch festgelegt ist, auch da habe ich vielleicht noch ein bisschen Verständnis, wenn man sonst ein sportliches und gesundes Leben führt und darunter leidet. Das Blöde ist nur: Wenn man sich Fett absaugen lässt, aber das Ernährungsverhalten nicht ändert, dann wachsen an den behandelten Stellen tatsächlich keine Fettzellen mehr – aber dann wandern die nächsten 2000 Kilokalorien in einen anderen Speicher hinein. Dann hat man vielleicht ein Doppelkinn. Oder man hat vorne am Bauch kein fett mehr, dafür quillt es seitlich über die Hose wie bei einem Muffin.

Wie geht man als Mann am besten mit Figurproblemen der Ehefrau um?

Ich denke, dass wir Männer unheimlich viel tun können: Wir können den Frauen einfach beistehen. Ihnen immer wieder Komplimente machen. Und wenn man es ganz geschickt anstellen will, macht man Komplimente, wo es eigentlich noch nicht angebracht wäre. Dann kann es nämlich sein, dass der Wunsch, diesem Kompliment zu entsprechen, unbewusst wächst. Und alles, was unbewusst geschieht, strengt auch in der Praxis weniger an. Ich bin der Meinung, als Ehemann muss man der Frau immer wieder Komplimente machen. Und auch wenn sie es nicht glaubt, einfach sagen: Das ist mir egal, ob du es glaubst, das ist meine Meinung. Und auch dabei bleiben. Wichtig ist ja, dass man das Selbstwertgefühl der Frau auffüllt.

Wenn man aber die Frau tatsächlich für zu dick hält? Darf man das ansprechen?

Es gibt natürlich sehr selbstbewusste Frauen, die gar nicht abnehmen wollen. Da hat man als Mann schlechte Karten, wenn es einen stört. Eine Möglichkeit wäre dann, sich auf die Vorzüge der Frau zu konzentrieren. Was man als Mann aber tun kann, ist es vorzuleben. Die einzige Möglichkeit, ohne der Frau dabei Druck zu machen, ist Sport zu machen oder einen Kochkurs zu belegen und sie zum Mitmachen einzuladen. Dasselbe gilt auch für Kinder. Denen kann man es auch nur vorleben, aber bitte nur ja keinen Druck machen. Kinder werden entgleisen, sie sind ja auch ständigen Versuchungen ausgesetzt. Nur Verbote gehören verboten. Denn alles Verbotene wird noch interessanter. Da sind wir Erwachsenen übrigens genau wie die Kinder.