Andreas Vitásek erzählt eine reale Familiengeschichte, wie er sie für kein Kabarettprogramm spannender hätte erfinden können. - © Michael Hetzmannseder
Andreas Vitásek erzählt eine reale Familiengeschichte, wie er sie für kein Kabarettprogramm spannender hätte erfinden können. - © Michael Hetzmannseder

"Wiener Zeitung": Herr Vitásek, Sie haben einmal gesagt, dass Sie Wert auf das Akut über dem a in Ihrem Namen legen. Hat das damit zu tun, dass Ihnen Ihre tschechischen Wurzeln besonders wichtig sind?
Andreas Vitásek: Prinzipiell ist mir dieses Stricherl über dem a gar nicht so wichtig. Aber es war in der Zeit, dass ich das erwähnt habe, in der die Ausländerfrage sehr politisiert worden ist und ein gewisser Rechtsruck zu verspüren war. Das habe ich auch im damaligen Programm thematisiert, indem ich einen Dialog mit meinem Vater an seinem Grab geführt habe. Eigentlich wollte ich seinen Segen, das Stricherl wegzulassen, weil ich es ja auch selten verwende, in E-Mail stört es eher. Aber in der Unterschrift habe ich es noch immer oben, das ist in dieser Wurschtlerei das Einzige, das man erkennt. Aber es ist mir nicht wichtig. Vor meiner Hochzeit allerdings hat die Standesbeamtin irrsinnig viel Wert auf das Stricherl gelegt – sie hatte in ihrem eigenen Namen zwei Stricherl gehabt. Es ist ja eigentlich ein Betonungszeichen, kein háček, sondern ein čárka. Die Aussprache von Vitásek ist eigentlich ziemlich kompliziert, weil der erste Vokal betont wird und der zweite lang, was sofort böhmisch klingt.

Und was bedeutet Vitásek auf Tschechisch?
Es heißt eigentlich so gut wie nix, angeblich heißt es Wurzel, Extrakt. Witzigerweise gibt es im Französischen den Trinkspruch "vite à sec", was so viel wie "schnell ins Trockene" heißt, also quasi "auf ex". Das hat in Frankreich immer für sehr viel Gelächter gesorgt, wenn sie meinen Namen gehört haben.

Sie sprechen also Französisch, aber kein Wort Tschechisch. Warum eigentlich?
Das stimmt, und ich bedaure es zutiefst. Als ich in Wien aufgewachsen bin, gab es den Eisernen Vorhang. Mein Vater ist aus der Tschechoslowakei geflüchtet, und es war eigentlich so gut wie klar, dass der nie wieder zurückdarf, es haben uns auch Verwandte lange Zeit nicht besuchen dürfen. Und die Tschechen waren damals eigentlich die ersten Tschuschen, das waren die "Ziegelbehm" in Favoriten, wo ich aufgewachsen bin, und da hat meine Mutter, die aus Niederösterreich kommt, das Gefühl gehabt, wir sollten uns mehr integrieren und nicht so das Tschechische raushängen lassen, was aber nie wirklich gelungen ist, weil man bei meinem Vater das Tschechische bis zum Schluss durchgehört hat und er auch nicht sehr fleißig war beim Deutschlernen. Aber es wurde daheim praktisch nie Tschechisch gesprochen. Es war wichtig, dass ich Österreicher war – was auch immer das jetzt genau ist, weil ich finde ja, dass als Österreicher ein tschechischer Großvater dazugehört – und dass wir ja nicht in dieses Ausländereck gestellt werden.