• vom 21.11.2014, 17:16 Uhr

Bühne


Opernkritik

Ein Ochs rettet Alt-Wien




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  • Durchwachsener "Rosenkavalier" mit starker Orchesterleistung an der Staatsoper.

Exquisit: Peter Rose als Ochs auf Lerchenau.

Exquisit: Peter Rose als Ochs auf Lerchenau.© Wiener Staatsoper/Pöhn Exquisit: Peter Rose als Ochs auf Lerchenau.© Wiener Staatsoper/Pöhn

(irr) Den Weg zum Kometen hätte sich Rosetta sparen können. Um wirklich etwas über die Anfänge des Sonnensystems zu erfahren, sollten ESA-Raumsonden besser auf dem "Rosenkavalier" der Wiener Staatsoper landen. Gewiss - das ist jetzt ein bisschen überspitzt. Die erwähnte Regiearbeit, erschaffen von Otto Schenk, zieht ihre Repertoirelaufbahnen ja erst seit 1968. Das patinierte Sammelsurium aus Dreispitzen, Balustraden, Livrees und Lustern sieht dennoch so aus, als wäre es unwesentlich nach dem Urknall entstanden.

Nun muss das einem netten Opernabend nicht unbedingt im Wege stehen. Der "Rosenkavalier" des Richard Strauss bezieht seine Magie ja gerade aus einem Alt-Wien, das es niemals gab. Und wer die Schenk-Bilder auch dafür zu altertümlich findet, nun - der wird hier normalerweise mit schönen Tönen ausgesöhnt, spätestens beim Silberklang des Schlussterzetts.


Diese Begütigung wollte sich am Donnerstag nur leider nicht ganz einstellen. Gut: Chen Reiss (Sophie) hatte den Saal schon vorab über ein Unwohlsein in Kenntnis setzen lassen; die israelische Sopranistin, zuletzt öfter in großen Partien, kommt dann einigermaßen solide über die Runden. Clemens Unterreiner dagegen hatte keine Entschuldigung: Zum Herrn von Faninal erhoben, blafft sich das Ensemblemitglied mit harter Outrage durch den Abend; Hausdebütantin Alice Coote (Octavian) kann ihren mäßigen Gesang immerhin mit Spielfreude bemänteln (und gibt dem Ochs auf Lerchenau sogar einen Popsch-Klaps retour). Bleiben leider nur zwei Sänger von Format. Einerseits Soile Isokoski, als Marschallin immer noch mit noblen Spitzentönen gesegnet; andererseits Peter Rose als grandioser Lustbaron: Kleine Defizite im Kellerregister macht er mit Lyrik und einer Wendigkeit wett, die sich in seinen drolligen Gesten spiegelt.

Niveausteigernd aber auch die Arbeit von Kirill Petrenko: Detailorientiert, akkurat und schmissig, setzt der Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper die Partitur ebenso unter Strom wie am Ende die Hände des Publikums.

Oper

Der Rosenkavalier

Wh.: 23., 26. und 28. November




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Dokument erstellt am 2014-11-21 17:20:05


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