"La notte italiana" - das ist kein Glas Rotwein, Weißbrot mit Antipasti, dazu Eros Ramazzottis rauchiges Schmachten, es ist keine charmante Begleitung, sondern ein Doppelabend zweier italienischer Choreografen im Odeon.

Die Klischees, die einem beim Lesen des Titels des Performance-Abends bildhaft durch den Kopf gehen, hofft man, nicht erfüllt zu bekommen. Doch die Uraufführung von Roberto Zappalàs "Oratorio per Eva" entspricht diesen zu präzise: Pathos und Theatralik begleiten die biblische Figur. In ästhetischen Bildern setzt sich der Choreograf mit der Geburt Evas, der Vertreibung aus dem Paradies und der Stellung der Frau im Allgemeinen auseinander: "Mama, Bellezza, Madonna, Versuchung, Sünderin, Frau", rufen da Akteure Eva - die talentierte Maud de la Purification - zu, um später, gebadet in Monteverdis Madrigale, vor ihr auf die Knie zu sinken.

Hingegen ist Elio Gervasis "the white horn" puristischer Tanz des Tanzes wegen, frei von jedwedem Klischee: Sechs Performerinnen markieren sich mit Klebeband ihren Bewegungsraum - es erinnert an eine Probebühne inklusive Trainingsgewand, ein Tonband rauscht mit kaum hörbarer Musik. Panta rhei - alles fließt - könnte die Devise der Uraufführung sein: Aus harmonischen Duetten werden Trios, Impulse werden weitergegeben oder auch gestoppt. Es scheint, als habe jede der überzeugenden Performerinnen ihr persönliches Bewegungsrepertoire. Ein gewagtes Projekt des Choreografen, das entweder gefällt oder auch auf Unverständnis stößt. Che bella cosa.

Performance

Oratorio per Eva/the white horn

Von Roberto Zappalà/Elio Gervasi

Odeon/Impulstanz Special

Wh. am 5. Dezember