• vom 16.12.2014, 16:34 Uhr

Bühne


Todesfall

Chronistin der Staatsoper: Lillian Fayer ist gestorben




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    Wien. (cb) Wenn man in Lillian Barylli-Fayers Archiv kam, war es, und wenn es noch so klischeehaft klingt, wie wenn man in eine frühere Zeit eintrat. In eine Zeit, als man sich noch nicht scheinbarer Nähe zu seinen künstlerischen Idolen auf Facebook hingab. Sondern in eine Zeit, als man noch hemmungslos Autogrammkarten anschmachtete. In diesem Fayer-Archiv lagen und liegen sie in Tausendschaften, die Negative, die Opern- und Bühnenstars der Vergangenheit zeigten. Allein 30.000 Bilder hat Fayer für die Wiener Staatsoper seit den frühen 60ern gemacht - Künstlerporträts, Probenfotos, Coverabbildungen. Immer haben sie, auch wenn sie stilistisch durchaus unterschiedlich sind, diesen Fayer-Glamour, den eine damals zeitgemäße Theatralik und auch eine gewisse Unaufgeregtheit prägt. Sie selbst beschrieb ihre Bilder denn auch gern gar bescheiden als "Schnappschuss".

    Bekehrte fotoscheuen Karajan
    Seit den frühen 50er Jahren war Lillian Fayer Chronistin der Salzburger Festspiele, danach wurde die Oper ihr Auftraggeber. Unter anderem fotografierte sie Sänger im Kostüm für Postkarten. Vor allem in der Ära Herbert von Karajan, der Fotografen normalerweise lieber fernhielt, entstanden legendäre Produktionsaufnahmen: Fayer durfte bei jeder Probe dabeisein. Lillian Fayer war auch ein Quell der immer respektvollen Anekdoten über ihre Motive. Sänger Paul Schöffler soll ungeduldig gewesen sein beim Posieren und rief ihr "Schneller, schneller" zu - so lange, bis Fayer ihm antwortete, das rufe sie ihm dann demnächst auch auf die Bühne zu.


    Lillian Fayer entstammte einer Fotografen-Dynastie, schon Vater und Großvater lichteten Künstler ab. Das Atelier am Wiener Opernring wird seit einiger Zeit von ihren Söhnen geführt. Lillian Fayer ist in der Nacht auf Sonntag mit 97 Jahren friedlich entschlafen.




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    Dokument erstellt am 2014-12-16 16:38:02


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