• vom 21.12.2014, 13:57 Uhr

Bühne

Update: 21.12.2014, 20:57 Uhr

Kabarett

Von Kapuzineräffchen und Börseninvestoren




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Claus von Wagner ist mit seinem Soloprogramm "Die Theorie der feinen Menschen" zu Gast im Wiener Kabarett Niedermair.

Klaus Neumann (Claus von Wagner) droht, mit empfindlichen Informationen aus dem Bankschließfach seines Vaters an die Öffentlichkeit zu gehen.

Klaus Neumann (Claus von Wagner) droht, mit empfindlichen Informationen aus dem Bankschließfach seines Vaters an die Öffentlichkeit zu gehen.© Moritz Ziegler Klaus Neumann (Claus von Wagner) droht, mit empfindlichen Informationen aus dem Bankschließfach seines Vaters an die Öffentlichkeit zu gehen.© Moritz Ziegler

(mozie) Claus von Wagner alias Klaus Neumann ist damit beauftragt, eine Rede für seinen Vater, einen ehemaligen Wirtschaftsprüfer, zu schreiben. Auf der Suche nach entsprechendem Stoff begibt er sich in den Tresorraum einer Filiale der Deutschen Bank. Dank der "flexiblen Öffnungszeiten" wird Neumann darin eingesperrt. Zu allem Überfluss ist die Lüftung im Tresorraum ausgefallen. Es bleibt nicht viel Zeit, und Hilfe von außen ist bitter nötig.

Während Neumann auf Befreiung hofft, untersucht er die Papiere aus dem Bankschließfach des Vaters. Doch diese stellen ihn vor ein Rätsel. Wer überhaupt ist sein Vater? Da der Sohn jedes Mal einschlief, wenn der Vater über die Finanzmärkte sprach, kennt er nicht einmal ein brauchbares Wirtschaftsprüfer-Zitat, das sich in die Rede einstreuen ließe. Aber jetzt, eingesperrt im Tresorraum, hat er genügend Zeit, sich den Kopf zu zerbrechen über Wirtschaftsprüfer, Fianzhaie, Bänker, Börsenkurse, Derivate und Adam Smith.

Der Sohn greift zur Flasche und trinkt auf den Vater, seine Bankberaterin und seineverzwickte Situation.

Der Sohn greift zur Flasche und trinkt auf den Vater, seine Bankberaterin und seineverzwickte Situation.

© Moritz Ziegler

Der Sohn greift zur Flasche und trinkt auf den Vater, seine Bankberaterin und seineverzwickte Situation.

© Moritz Ziegler

Ein ökonomischer Rundumschlag

Claus von Wagner, den man hierzulande aus der ZDF-Sendung "Die Anstalt" kennen kann, holt dabei zum ökonomischen Rundumschlag aus. Er vergleicht Börseninvestoren mit Kapuzineräffchen und Kleinanleger mit Plankton im Meer. Er erklärt, wie Investmentbanker Zahlen foltern, dass 56 Prozent der Bevölkerung keinerlei Ahnung von Finanzen haben und 64 Prozent nur so tun. Und er ist erstaunt, dass ein rückläufiges Bruttoinlandsprodukt als Negativwachstum umschreiben wird. "Negativwachstum! Ich sage zu einem toten Hamster ja auch nicht: Der ist minus lebendig", stellt Wagner empört fest.


Was er über die Finanzmärkte erzählt, ist Kabarett in einer eigenen Liga. Die bissigen und scharfzüngigen Vergleiche, die Wagner dem Publikum bietet, sind wunderbar treffend und dabei leicht verständlich. Er verliert nie den roten Faden. Seine bildhaften Erzählungen sind durchdacht und ergeben einen Sinn. Absolut sehenswert in Zeiten, in denen rauschende Weihnachtsfeiern bei Finanzinstituten verpönt sind. Nicht umsonst hat Wagner schon Auszeichnungen wie das Passauer Scharfrichterbeil oder den Salzburger Stier daheim stehen.

Claus von Wagner: Die Theorie der feinen Menschen
Weitere Termine




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-12-21 14:07:48
Letzte Änderung am 2014-12-21 20:57:46


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Fifty Shades of Crash
  2. "Ich fühle mich wie ein Kind"
  3. Die acht Perlen der Romy Schneider
  4. "Beleidigen ist zum guten Ton geworden"
  5. Erl stellt Kuhn kalt
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer will "Gas geben"
  3. Drama um Daniel Küblböck
  4. Punkt! .
  5. Lamas! Überall Lamas!

Werbung



Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung