Erst ein muffiger Studiosus: Julian Loidl als Faust. - © J. Stehlik
Erst ein muffiger Studiosus: Julian Loidl als Faust. - © J. Stehlik

Es beginnt, wie bei Goethe, mit dem Vorspiel auf dem Theater: Theaterdirektor, Dichter und Schauspieler beraten sich über das perfekte Stück, das die Massen in die Sitzreihen lockt und bewegt. In Folge wird der Faust gegeben, die große Geschichte des an der Leere aller Erkenntnis verzweifelnden Wissenschafters, der einen Pakt mit dem Teufel schließt und schließlich ein junges Mädchen in die Verzweiflung treibt. Gernot Plass hat sich Goethes Text vorgeknüpft und mit einer eigenen Überschreibung ersetzt: Und das gelingt ihm im Theater an der Gumpendorfer Straße mit einem Tempo, Sprachwitz und einer Tiefe, die einen völlig neuen Blick auf einen (natürlich zu Unrecht) angestaubten Klassiker ermöglicht.

Julian Loidl verkörpert den Faust als sich anfänglich bis hinein in die Todessehnsucht langweilenden, muffigen Studiosus im Strickjäckchen; die Verjüngungskur des herbeigerufenen Mephisto lässt ihn bald zum schmierig-gegelten Lüstling mutieren, dessen einstiger Erkenntnisdrang sehr schnell ganz anderen Trieben gewichen ist. Jens Claßen ist dieser Mephisto; er schleicht und schlendert über die Bühne, gehorcht mit befremdeter Distanz den übermütigen Befehlen Fausts; fast tut er einem leid, einen Pakt mit einem derartig durchschaubaren Unsympathen abgeschlossen zu haben. Elisabeth Veit, anfangs noch machohaft zur "Theaterpraktikantin" degradiert, dreht vor allem zu Ende hin in der Rolle des Gretchen auf. Witzig, radikal, spielfreudig, bewegend - ein literarischer wie inszenatorischer Glücksfall.