Heute Abend findet in der Hofburg der Akademikerball statt. Die von der FPÖ und den schlagenden Burschenschaften ausgerichtete Tanzveranstaltung in der staatstragenden Location gehört zu den umstrittensten Ereignissen der Wiener Ballsaison. Im Vorjahr kam es zu heftigen Protestaktionen, dieses Mal sind 13 Gegendemonstrationen angemeldet. Auch am Theater empört man sich über die deutschnationale Party. "Dr. Österreicher sieht fern", uraufgeführt im Kosmos Theater, spielt am Tag des Akademikerballs und verhandelt in Form von drei fingierten TV-Formaten - "Am Schauplatz Hofburg", "Club 3000" und "Messer Gabel Hirn" - den medialen Umgang mit dem Ball und den Protesten. Die Theatermacher des heimischen Bühnenkollektivs Verein Nestbeschmutzer&innen nehmen sich viel vor: Vier junge Autoren - Martin Fritz, Thomas Köck, Cornelia Travnicek und Gerhild Steinbuch - haben die Textvorlage verfasst und sich dabei orientiert an Dramatikern wie Max Frisch (siehe: "Biedermänner und Brandstifter" in Wien), Thomas Bernhard (freilich: "Heldenplatz") und Peter Handke (Bobo-Publikumsbeschimpfungen à la "Ihr Urban Gardener" und "Ihr-Binnen-Is").

Dem ambitionierten Projekt mangelt es jedoch an Stringenz. In lose aneinandergereihten Szenen jagen die Schauspieler Peter Bocek, Nikolas Firmkranz und Maria Fliri in nur 70 Minuten durch die zerfransten Textblöcke. Regisseurin Susanne Draxler bietet zwar eine Fülle an szenischen Ideen auf, kann es dennoch nicht mit dem inhomogenen Text aufnehmen. Gut gemeint, nicht ganz so gut gegangen.