Libido-Lackel: Peter Simonischek als Pianist und Womanizer Gustav Heink. - © apa/Roland Schlager
Libido-Lackel: Peter Simonischek als Pianist und Womanizer Gustav Heink. - © apa/Roland Schlager

In der US-Serie "How I met your mother", in der sich fünf Freunde den Unwägbarkeiten des Lebens und der Liebe in New York stellen, kommt es regelmäßig zu "Interventionen". Diese finden aus unterschiedlich zwingenden Gründen statt, etwa um einen Freund davon abzuhalten, einen albernen Hut zu tragen. Oder aber um einen Freund abzuhalten, eine Frau zu heiraten, die ihn nicht liebt. Wenn man daran glauben will, dass Hollywood-Schreiber Literaturtraditionen schätzen, dann könnte man fast glauben, die Serien-Autoren haben sich von Hermann Bahr inspirieren lassen. Denn nichts anderes als eine der geschliffensten Interventionen der Theatergeschichte ist sein Stück "Das Konzert". Am Samstag hatte es in einer Inszenierung von Felix Prader im Akademietheater Premiere.

Keiner bleibt verschont


Peter Simonischek spielt den sich nicht dem Alter ergeben wollenden Pianisten Gustav Heink, der mirakulöserweise immer noch von Scharen von jungen sowie überwuzelten Frauen begehrt wird, als wäre er Mick Jagger in seinen besten Jahren. Regina Fritsch spielt seine Frau Marie, die bisher mit analytischer Kühle seine Affären geduldet hat. Florian Teichtmeister spielt Dr. Jura, der in Marie den doch irgendwo schlummernden Wunsch weckt, ihren Mann wieder für sich allein haben zu wollen. Und Stefanie Dvorak ist Juras Frau Delfine, jenes Tschapperl, für das Heink sein "Konzert" erfindet, ein Codewort für Schäferstündchen.

Weil das Stück seit seiner Entstehung 1909 gehörig Geschlechterrollen-Staub angesetzt hat, wurde es hier in einem nicht unklugen Zug zumindest optisch in die 60er Jahre transferiert. Gerade so mittendrin zwischen einer Zeit wie jener Bahrs, in der solche Interventionen für Ehefrauen die bessere Wahl waren als eine rufruinierende Scheidung, und unserer Zeit, in der der Ruf einer Frau mehr leiden würde, sähe sie sich solche Affären so lange an wie Marie Heink.

Nach einem schleppenden Beginn, in dem vor allem Regina Fritsch mit grandios-trockenem Sarkasmus glänzt, nimmt der Abend nach der Pause komödiantisch Fahrt auf. In der Hütte, auch hier das Bühnenbild aus sparsamem Wellpappen-Modulsystem, wartet die Betaversion der Heinks: das Haushälterpaar Pollinger, auch sie (Barbara Petritsch) eine duldsame, wenn auch nicht so zurückhaltende Frau, sein Laster ist freilich das Saufen. Auch sonst ist er nicht zu viel zu gebrauchen. Branko Samarovski sorgt ungerührt für ein paar Slapstick-Highlights. In ähnlicher Humortonalität geht es weiter, als schließlich das poussierende Paar eintrifft. Gebremste Leidenschaft in bester Boulevard-Manier, Koitus Interruptus mit einer Tür zwischen den beiden und am Ende beben doch die Puschelpantoletten von "Delfindl". Stefanie Dvorak ist in dieser Rolle von berückender Einfalt in Korallrot bis Apricot.

Schließlich kommt es zum Zusammentreffen der Ehepaare und die betrogenen Eheleute bestärken die Betrügenden geschickt, dass sie gar nichts gegen einen Partnertausch hätten. Und dann sitzen sie unterm Kachelofen wie im trostlosesten Swingerclub der Welt. Florian Teichtmeister ist nicht nur gestylt wie ein versprengter 60er-Jahre-Intellektueller, er spielt auch eine lustige Beatnikversion eines Salonkonversationisten. Während Fritsch mit gnadenloser Nächstenliebe ihrer "Nachfolgerin" das Leben an der Seite ihres Gustl schmackhaft macht: "Selber gar nichts zu sein, das ist doch das Schönste, was eine Frau tun kann." Die größte Herausforderung meistert Peter Simonischek, er gibt mit heiterer Gelassenheit diesen so unwahrscheinlichen Libido-Lackel, der ja eh lieber treu wäre, aber die Frauen lassen ihn nicht: "Ich beneide jeden, der davon verschont wird!" Wobei: Womöglich ist gerade diese Einstellung das Zeitlose an diesem Stück. Daran ändert auch der freundlich geänderte Schluss nichts. Alles in allem ein unterhaltsamer Abend mit Potenzial zum Publikumserfolg.

Theater

Das Konzert

Akademietheater

Wh.: 12., 16., 17., 25. Februar