Stoischer Doktor: Alfred ramek als Bartolo. - © Wiener Staatsoper/Pöhn
Stoischer Doktor: Alfred ramek als Bartolo. - © Wiener Staatsoper/Pöhn

Stünde dieses Haus auf der Straße, es wäre vielleicht schon denkmalgeschützt: Seit 1966 grantelt Doktor Bartolo in denselben Kulissen, wenn die Staatsoper Rossinis "Barbier von Sevilla" spielt – fast ein halbes Jahrhundert, das etliche verliebte Grafen und alte Bartolos mit jungen Mündeln in Alfred Sierckes Bühnenbild sah.

Einige Sängergesichter haben sich dabei eingeprägt, eines davon gehört zweifellos Alfred Šramek. Er hat den mürrischen Möchtegern-Gatten von Rosina hier schon 1980 verkörpert. Sein Hausdebüt datiert gar auf den März 1975 zurück – womit der Mann aus Mistelbach seit mittlerweile vier Dezennien zur Staatsoper gehört. Mehr Dienstjahre hat hier (abgesehen von manchem Bühnenbild) fast keiner am Buckel. Am Montag wurde das gefeiert: Nach einer Aufführung des "Barbiers" (Šrameks 2472. Abend am Haus) gesellten sich Direktor Dominique Meyer und Kulturminister Josef Ostermayer mit lobenden Worten zu den Künstlern auf die Bühne.

Dass 40 Arbeitsjahre mit einer erhöhten Lebensreife einhergehen, versteht sich von selbst. Sie tut der Faszination von Šrameks Bartolo aber keinen Abbruch: Mit Gesten von diskreter Patzigkeit und Augenlidern, die sich wohl nicht einmal im Fall eines Kometenaufschlags ganz heben würden, wirkt er wie jener Typ Grantler, der mittlerweile selbst das Granteln als Zumutung empfindet. Der launige, mitunter raunzige Gesang passt da bestens: Während sich Antonino Siragusa (Graf) und Marco Caria (Figaro) auf Teufel komm raus um die hübsche Rosina (klanglich und optisch ebenso: Isabel Leonard) bemühen, nimmt Bartolo deren Verlust achselzuckend zur Kenntnis.

Wermutstropfen nach einem wackeren Repertoireabend (Dirigent: Michael Güttler): Ein weiterer Titel ist Šramek, bereits Kammersänger und Ehrenmitglied des Hauses, nicht zu verpassen. Er sei "ausdekoriert", wie Ostermayer zu seinem Bedauern feststellte.