• vom 09.03.2015, 18:29 Uhr

Bühne

Update: 09.03.2015, 18:35 Uhr

Opernkritik

Blutige Lady mit neuem Zündstoff




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  • Rückkehr der "Lady Macbeth" an die Staatsoper: vor allem musikalisch beklemmend.

(irr) Das nennt man Timing: Genau am Weltfrauentag hat die Wiener Staatsoper "Lady Macbeth von Mzensk" wieder aufgenommen. Ja, fast möchte man sagen: wieder belebt. Schließlich ist die Produktion seit dem Premierenjahr 2009 nicht mehr gespielt worden.

Information

Lady Macbeth von Mzensk
Staatsoper; Wh.: 11., 14., 17. März


Fehlt der "Lady" der Publikumszuspruch? Schade wäre es, ganz unverständlich aber nicht. Immerhin serviert Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) in seiner großen Oper starken Tobak: Beheimatet in einem öden Landstrich und verheiratetmit einem ebensolchen Kaufmann, wird die Misere der Katerina Ismailowa durch einen schwiegerväterlichen Despoten abgerundet. Wie gerne würde dieser Ungustl (Kurt Rydl mit machtvoll waberndem Bass) selbst noch einmal Nachwuchs in die Welt stoßen! Allein, die Drangsalierte räumt lieber einem Arbeiter-Hallodri (gockelhaft: Misha Didyk) Platz in ihrem Bett ein und den Schwiegervater samt Gemahl (solide: Marian Talaba) ziemlich nachhaltig aus dem Weg. Zwei Bluttaten mit üblen Folgen - einerseits für Katerina, an der Staatsoper nun wieder von Angela Denoke verkörpert, dieser noch in der leisen Legatolinie eindringlichen Schmerzensfrau. Der Plot gefährdete einst aber auch Schostakowitsch. Eine mordende Ehebrecherin als Heldin? Sex auf der Bühne? Nichts für Stalin. 1936 sah es so aus, als würde der Tonsetzer für seine Oper nicht nur öffentlich vernichtet werden. Warum ihm im Gegensatz zu Katerina der Gulag erspart blieb, gibt bis heute Rätsel auf.

Gastspiel eines Geschassten
Da ist es fast poetisch, dass sich die Schicksale beider in der Staatsoper kurz kreuzen. Bevor sich der Vorhang zum grimmigen Finale öffnet, erklingt eine orchestrierte Passage aus Schostakowitschs achtem Streichquartett (1960): wunderbar wehe Musik über die Initialen D-Es-C-H. Andrerseits: So recht passt sie nicht ins expressiv schrille Opernklangbild, das Ingo Metzmacher mit dem ausgezeichneten Orchester virtuos schillern lässt.

Deutlich mehr irritierte am Sonntag allerdings etwas anderes: nämlich dass der Regisseur sein Werk selbst auffrischen durfte und dass dies der geschasste Burgdirektor Matthias Hartmann ist - den Bundestheatern sonst nur noch in Form eines erbitterten Rechtsstreits verbunden. Nun, außer Streit steht jedenfalls: Mit seiner Mitwirkung hat Hartmann der Produktion etwas gegeben, was sie ansonsten schmerzlich vermisst hätte - Zündstoff. Wiewohl sich das Bühnenbild (Volker Hintermeier) weitgehend ansehnlich ausnimmt, die Personenführung nicht unanimiert ist, kommt das Schauspiel nicht über routiniertes Handwerk hinaus. Großer Beifall freilich für Denoke und Metzmacher.




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Dokument erstellt am 2015-03-09 17:44:03
Letzte nderung am 2015-03-09 18:35:42



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