Haben Sie in Italien Engagements?

Ich würde gern mehr spielen. Luca Ronconi, der kürzlich verstorbene Leiter des Piccolo Theaters, wollte mit den "Strehler"-Schauspielern nicht mehr arbeiten, holte "seine" Leute ans Haus, fast ausschließlich junge Schauspieler. Zuletzt spielte ich dort in Lorcas "Donna Rosita bleibt ledig" in der Regie von Lluís Pasqual. Jetzt muss man abwarten, wie es weitergeht.

Würden Sie sich für die Leitung der Bühne interessieren?

Nein, auf keinen Fall.

Spürt man auch auf Italiens Bühnen die Wirtschaftskrise?

Natürlich. Bei der Kultur wird immer zuerst gespart. Vieles verkommt, kleinere Bühnen mussten schließen. Ich kenne Schauspieler, die sogar bereit sind, ohne Gage zu spielen, die nur gegen den Ersatz der Spesen auf Tournee gehen.

In der Josefstadt inszeniert der Italiener Cesare Lievi. Gelingt ihm ein anderer Blick auf Bernhard?

Er inszeniert in jedem Fall Bernhard-treu. Der Vorschlag, "Am Ziel" zu spielen, kam übrigens auch von ihm.

Im Stück heißt es sinngemäß, Erfolg am Theater sei eine Laune des Zufalls. Sehen Sie das auch so?

Am Theater wird vieles beklatscht. Mitunter denkt man dann: Warum klatscht hier jemand? Theaterspielen ist so, als ob man einen Stein ins Wasser wirft. Es entstehen Kreise, die schnell verschwinden. Wenn der Vorhang fällt, ist alles vorbei, man kann es nicht festhalten, man muss am Theater immer neu anfangen. Manchmal stimmt mich das traurig, aber so ist es nun mal. Wichtig ist allein der Moment.

Leben Menschen, die sich von Berufs wegen mit der Bedeutung des Moments und der Vergänglichkeit auseinandersetzen, bewusster?

Ich genieße mein Leben. Ich liebe das Meer, was ich übrigens mit meiner Bernhard-Figur teile. Vor sechs Jahren kaufte ich mir ein Boot. Ich bin jetzt mein eigener Kapitän.

Ihr Ausgleich zum Beruf?

Ja. Auch wenn Schauspieler mitunter einen anderen Ruf haben: Wir führen ein diszipliniertes und arbeitsreiches Leben. Um mir damals die Schauspielausbildung zu finanzieren, musste ich um fünf Uhr Früh aufstehen. Ich arbeitete in einer Fabrik, später als Verkäuferin und Vertreterin von Staubsaugern. Mir wurde nichts geschenkt.