Bierkur: Simon Zagermann als Heimkehrer. - © Alexi Pelekanos
Bierkur: Simon Zagermann als Heimkehrer. - © Alexi Pelekanos

Familienaufstellung auf Russisch: Am Anfang steht das sechsköpfige Ensemble, arrangiert wie für ein Familienfoto, an der Bühnenrampe. Am Ende nehmen die Akteure die gleiche Stellung ein - als wäre nichts gewesen. Dabei liegt dazwischen eine zweistündige aberwitzige Tragikomödie, eine Gefühlsachterbahn nur zu überstehen mit Zigaretten, Bier und Musik der allertiefsten Moll-Tonlage.

Im Landestheater Niederösterreich ist die deutschsprachige Erstaufführung von Anna Jablonskajas "Familienszenen" zu sehen. Das Stück verhandelt die Heimkehr eines russischen Offiziers aus einem nicht näher erläuterten Krieg und beschreibt ziemlich drastisch dessen Entfremdung von Frau, Kind, Zivilgesellschaft. Unsentimental zeichnet die Autorin dabei ein tristes Bild der postsowjetischen Gesellschaft. Der Text pendelt gekonnt zwischen Depression und Manie. Für die eruptiven Stimmungsschwankungen findet der 35-jährige Regisseur Sarantos Zervoulakos auf der dunkelschwarzen Bühne atmosphärisch starke Bilder. Das Ensemble stöckelt im Pornoschick durch Katastrophen oder schlurft im Retrolook aus dem Humanaladen durch seelische Abgründe, zeigt sich zwar spielfreudig, aber nicht rundweg den Rollenanforderungen gewachsen.

Die Entdeckung des Abends ist indes die ukrainische Autorin. Anna Jablonskaja, 2011 bei einem Terrorangriff in Moskau ums Leben gekommen, galt als russische Nachwuchshoffnung. Sie hat an die 20 Stücke verfasst, kaum eines ist hierzulande bekannt. Das muss nicht so bleiben.