Kleine Bühnen müssen im heutigen Kulturbetrieb Originelles liefern. Mit der Uraufführung von Ernst-Jürgen Dreyers 1990 entstandenem Drama "Doppelter Boden" widmet sich die Freie Bühne Wieden in Wien nicht nur einem interessanten, 2011 verstorbenen Autor, sondern auch einem aktuellen Thema mit einiger Brisanz.

Es geht um die hochschwangere griechische Kellnerin Kalliopi. Ihr Verlobter Hassan schickt sie allein auf die Flugreise zu seinen Eltern nach Palästina - mit einer Reisetasche, in der Kalliopis bisherige Chefin, die ungarische Restaurantbesitzerin Scharinäni, einen doppelten Boden mit Bombe vermutet. Das Stück ist weitgehend ein Monolog Scharinänis, die aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen Gefahr für Kalliopi wittert und ihrem Argwohn gegenüber den Orientalen ("Die unterdrückten Völker sind die Pest") freien Lauf lässt. "Nur Kopf" wirft Kalliopi, die sich an Hassans Aussage "Du bist mein Leben" klammert, ihrerseits den Mitteleuropäern vor. Das Stück lässt offen, wie berechtigt Vorurteile und Misstrauen - das Gift in jedem Zusammenleben - in Terrorzeiten sein können.

Wie es sich für eine Uraufführung gehört, hat Michaela Ehrenstein das Action-arme Stück ohne Mätzchen inszeniert - als spannendes Kammerspiel. Christine Renhardt (Scharinäni) pendelt zwischen echter Besorgnis um die junge Frau und boshaften Unterstellungen, trifft dabei aber meist den richtigen Ton. Eva-Christina Binder (Kalliopi) trägt einen Bauch wie im zehnten Monat, holt aber aus ihrer Rolle nahezu das Maximum heraus.