• vom 08.04.2015, 16:02 Uhr

Bühne


Kabarett

Gedanken über die eigene Endlichkeit




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Von Mathias Ziegler

  • Joesi Prokopetz, Kabarettist und Intendant der Ybbsiade, über das Altern, den Tod und unerträglichen Austropop.


© Moritz Ziegler © Moritz Ziegler

Wien. Kabarettist Joesi Prokopetz ist jetzt auch Intendant. Neben seinem aktuellen Programm "Vorletzte Worte", zu dem er auch ein Buch geschrieben hat, leitet er nun auch das Ybbser Kabarett- und Kleinkunstfestival Ybbsiade (10. bis 25. April). Danach spielt er bei den Seefestspielen Mörbisch (9. Juli bis 22. August) in einer modernisierten Fassung von Johann Strauss’ Operette "Eine Nacht in Venedig" den Senatore Barbaruccio. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt er, warum er seit dem Vorjahr gesünder lebt, sich Gedanken über den Tod macht und nicht Austropop hört.

Joesi Prokopetz: Schau, wir sitzen da im Raucherbereich, und keiner raucht.


"Wiener Zeitung": Rauchen Sie noch?

Ich rauch schon lange keine Zigaretten mehr, höchstens hie und da eine Zigarre.

Also trifft Sie ein Rauchverbot in der Gastronomie nicht wirklich?

Solang ich in meinem Stammcafé, dem "Gutruf", meine Zigarre rauchen darf. Das ist ein richtiges Kaffeehaus, da muss man rauchen. Das ist überhaupt ein Super-Kaffeehaus mit hervorragender Küche: Da kocht ein Chinese beste österreichische Hausmannskost. Und es rennt ein Schmäh, der durchaus "Tante Jolesch"-Niveau hat. Es hat ja auch eine lange Tradition, von Helmut Qualtinger bis Teddy Podgorski. Da geht aber sonst keiner rein, weil es von außen ausschaut, als müsste man um sein Trinkgeld raufen. Aber drinnen sitzen vor allem ältere Männer wie ich.

Apropos Alter: Sie wurden am 13. März 63 Jahre alt. Kokettieren Sie mit dem Alter oder macht Ihnen das Altwerden Sorgen?

Dem Alter gegenüber kokett zu sein, ist vollkommen sinnlos, die normative Kraft des Faktischen, das ständige Altern, ist einfach da. Und ja, ich mache mir sehr viele Gedanken über meine Endlichkeit, zumal ich ein Jahr hinter mir habe, in dem alle möglichen Leute rund um mich gestorben sind, darunter auch die beiden Mütter meiner Kinder und einige sehr gute Freunde. Wenn der Blitz so nahe einschlägt, hat man fast ein schlechtes Gewissen, weil man selbst noch am Leben ist.

Hat das auch Ihren Lebensstil verändert? Sie sehen schlanker aus.

Ich habe 19 Kilo abgenommen. Die Initialzündung war, dass ich vorigen August wegen einer Darmgeschichte im Spital war und seither nicht mehr alles essen darf - oder sollte. Ich halte mich jedenfalls sehr konsequent an die Ratschläge meines Arztes. Ich soll auch viel Bewegung machen, auch aus psychischen Gründen, also renne oder walke ich jeden Tag. Und ich esse fast kein Fleisch mehr, es geht mir auch nicht wirklich ab. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich fast ertrinke, weil mir das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn jemand ein Schnitzel isst.

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Dokument erstellt am 2015-04-08 16:05:07


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