Die Spessiwzewa 1922.
Die Spessiwzewa 1922.

Wien. Sie wird oft Grace Kelly des Tanzes genannt, er als imposantester Bühnenbösewicht des Wiener Staatsballetts bezeichnet: Olga Esina und Kirill Kourlaev geben nicht nur in der Volksopern-Premiere von Boris Eifmans "Giselle rouge" ein Liebespaar ab, auch privat sind sie liiert. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" plaudern die beiden über das "rouge" der Roten Armee und einen der Tschekisten, der in die russische Ballerina Olga Spessiwzewa (1895 bis 1991) verliebt war - eine der bedeutendsten Darstellerinnen der Giselle, der Eifmans Stück gewidmet ist.

"Wiener Zeitung": Mit "Giselle" verbindet man das romantische Ballett. Was hat "Giselle rouge" von Eifman noch mit "Giselle" zu tun?

Olga Esina: Ganz viel sogar. Dieses Stück ist die wahre Geschichte der Tänzerin Olga Spessiwzewa, deren Paraderolle die Giselle war. Sie ist ebenfalls verrückt geworden, wie eben Giselle.

Kirill Kourlaev: Und den Zusatztitel "rouge" hat es bekommen, weil es die Zeit der Roten Armee in Russland symbolisieren soll. Es ist die Biografie einer Tänzerin: von ihrer Ausbildung in der Ballettschule, ihren Bühnenerfahrungen, ihren Beziehungen, Liebhabern und ihrer Flucht nach Paris sowie Amerika und letztlich ihrem Ende in einer Irrenanstalt.

Haben Sie diese Tänzerin vor dieser Produktion gekannt?

Beide: Ja, sicherlich.

Kourlaev: Sie ist eine der berühmtesten Ballerinen von Sergej Diaghilew (Anm., der Impresario des legendären Ballets Russes)

Eifmans Stücke sind Psychogramme, die eine starke Entwicklung durchleben. Wie würden Sie denn die Spessiwzewa beschreiben?

Esina: Das ist schwer zu sagen mit ein paar Worten. Sie war einfach anders: Von ihrem 17. Lebensjahr bis zu ihrem Tod mit 96 hat sie sich sehr verändert. In der Schule hat sie mit großen Augen die Welt des Balletts erkundet, dann hat sie einen Mann getroffen...

Kourlaev: ....er war ein Vertreter der neuen Regierung, ein Tschekist. Im Stück heißt er Kommissar. Nach der Oktoberrevolution wurde dieser unglaublich mächtige Geheimdienst gegründet.