(irr) Vorauszuschicken ist, dass auch die Neue Oper Wien an der Finanzfront kämpft. Von der Gemeinde mit 450.000 Euro gefördert, fühlte sich Intendant Walter Kobéra im Vorjahr doch von der Trockenlegung bedroht: Um ein Budget für 2015 zu erstellen, brauche er, so hieß es, 600.000 Euro.

Tatsächlich ist seine freie Gruppe nun im 25. Jahr angekommen, und man könnte spekulieren, ob der aktuelle Spielort dabei geholfen hat - also immerhin finanziell ein Gewinn ist. Mit reichlich Beton und Metall ausstaffiert, bilden die Weiten der "EMS Lounge" (im ehemaligen Siemens-Komplex in Erdberg) an sich nämlich eine Büro-Architektur des Grauens - und damit kaum den rechten Ort für eine "sinnliche Traumreise", wie sie die Werbung für den Doppelabend "Schönberg in Erwartung" verhieß.

Die Regie mehrt die Misslichkeiten. Als wäre es für Verena Gunz nicht Herausforderung genug, Schönbergs erosschwülen Liederzyklus vom "Buch der hängenden Gärten" (Orchesterfassung: Richard Dünser) achtbar zu bewältigen, wird sie dabei dermaßen ausdauernd von drei Herren mit Wolfsmasken begrapscht, dass die Unholde nach neuer Gesetzeslage bis zum Sanktnimmerleinstag im Kittchen sitzen müssten. Kostümbildnerisch eng an "Eyes Wide Shut" gekuschelt, will der Abend an sich aber freilich keine Sängerdemütigung zeigen, sondern: das Erwachen weiblicher Sexualität. Schönbergs "Erwartung" soll dann gleichsam als Echo im Kopf der gereiften Frau nachhallen. Immerhin: Das Monodram von der nächtlichen Wanderin findet in Magdalena Anna Hofmann eine leuchtkräftige Stimme, das amadeus ensemble-wien begleitet beherzt, und Dünsers Entreacte-Musik fügt sich stilsicher zwischen die Werke.