Wenn Worte nicht mehr reichen, wird getanzt. - © Nicole Timm
Wenn Worte nicht mehr reichen, wird getanzt. - © Nicole Timm

"Das Herz ist ein kleiner, sehr, sehr elastischer Muskel", heißt es in Woody Allens Film "Hannah und ihre Schwestern" (1986). Das Zitat ist programmatisch für Allens wunderbaren Reigen rund um Liebeswirren und Midlife-Krisen einer New Yorker Künstlersippe, die von Familienbanden zusammengehalten wird. Im Zentrum ist die Schauspielerin Hannah sowie ihre Schwestern - die Studentin Lee und Holly, die mit ihrem Leben nicht fertig zu werden scheint. Rund um die Frauen flattern die Männer und suchen, beladen mit Komplexen und Hypochondrien, das Glück.

Der Berliner Volksbühnen-Star Milan Peschel hat nun "Hannah und ihre Schwestern" im Meidlinger Werk X auf die Bühne gebracht. Die knapp zweistündige Aufführung ist eine eigenwillige und - trotz einiger Längen - überaus gelungene Interpretation der filmischen Vorlage. Das sechsköpfige Ensemble agiert nicht feinziseliert-psychologisch, sondern stellt auf der weitgehend kahlen Bühne die Großstadtneurotiker mit übergroßen Gesten dar. Die Grundstimmung ist Aufgeregtheit, die ihren Ausdruck in Schreiduellen findet, wobei die Schauspieler (Meister der Exaltiertheit: Christian Dolezal) die Brüll-Tonleiter von lauthals bis krächzend gekonnt rauf- und runterdeklinieren. Wenn Worte nicht mehr weiterhelfen, erklingt Musik und die Schauspieler vollführen absurde Modern-Dance-Variationen.

Mit spöttischer Menschenkenntnis hebt Peschel die sympathischen und absurden Facetten der Glücksritter hervor und ist vor falscher Sentimentalität gefeit.

Theater

Hannah und ihre Schwestern

Von Woody Allen

Werk X

Wh.: 9., 21., 22. Mai