Tilde Lechner, Dolores Schmidinger - und jetzt Claudia Rohnefeld. In der 103-jährigen Geschichte des Wiener Kabarett Simpl ist die junge Wienerin die erst dritte weibliche Conférencière, die vor dem berühmten roten Vorhang durchs Programm führt. Am 15. September hat die neue Simpl-Revue "Bitte alle aussteigen" Premiere. Im Interview der "Wiener Zeitung" erzählt sie, wie sie sich darauf vorbereitet, warum sie nicht in Schubladen gesteckt werden will und welches Fach sie auf der Schauspielschule vermisst hat.

"Wiener Zeitung": Sie sind die erst dritte Conférencière im Simpl. Geht damit ein Karrieretraum in Erfüllung?

Claudia Rohnefeld: Auf jeden Fall. Ich hätte aber nie damit gerechnet, denn es war ja bisher eine Männerdomäne. Wobei ja schon das Kabarett Simpl den Zenit im Kabarett darstellt, und da habe ich auch vorher schon mehrmals gespielt, das habe ich also schon erreicht. Aber diesen Sprung zu machen . . . Als ich die Anfrage bekommen habe, hat das einen kleinen Herzinfarkt, sieben Schlaganfälle und eine Ohnmacht ausgelöst, im positiven Sinn.

Wie viel von der Conférence schreiben Sie tatsächlich selbst? Wie groß ist der Einfluss der anderen?

Simpl-Chef Albert Schmidleitner hat natürlich jedes Anrecht, das auf seiner Bühne zu haben, was er will, und gibt die Themen vor - aber der Rest bin ich. Von ihm und von Regisseur Leo Bauer habe ich eigentlich nur die Themen bekommen, zu denen ich mir Überleitungen überlege, vor allem die berühmte Simpl-Wuchtel.

Haben Sie sich Tipps von Ihren Vorgängern geholt?

Von Michael Niavarani, der ja lange Simpl-Conférencièr war, habe ich das gesamte Handwerk der Wuchtel gelernt. Da bin ich durch eine harte Schule gegangen. Er ist ein sehr korrekter Lehrmeister, aber auch ein sehr liebevoller.

Können Sie ein paar Inhalte der neuen Revue verraten?

Es wird wieder politische Gags geben, zum Beispiel ein musikalisches EU-Medley, in dem ich Angela Merkel spielen darf. Es kommen aber auch Allerweltsthemen vor wie Eltern-Kinder oder ein Besuch beim Friseur, Jugendsprache und SMS, also eine klassische Simpl-Revue.

Kommt das Thema Asyl auch vor? Oder ziehen Sie da eine Grenze angesichts der großen Tragödie?