"Wiener Zeitung": Herr Puntigam, in Ihrem prämierten Programm "Erlösung" diskutieren Sie mit Matthias Egersdörfer unter vielem anderen auch über das Kabarett an sich. Wie steht es denn nun ums österreichische Kabarett?
Martin Puntigam: Ums österreichische Kabarett steht es natürlich ganz hervorragend, es gibt ausschließlich großartige Vertreterinnen und Vertreter, und es ist schade, dass das Jahr nur 365 Tage hat und ich nicht jedes Programm anschauen kann.

Und jetzt ehrlich, bitte.
Puntigam: Kabarett ist eine Zierleiste in einer bürgerlichen Gesellschaft, und so wie die Gesellschaft beinander ist, so steht es auch ums Kabarett. Aber ums deutsche noch um eine Spur schlimmer, weil da der Altersdurchschnitt des Publikums dort noch einmal um zehn Jahre höher ist.
Florian Scheuba: Ich glaube, da kann man nicht generalisierend, weil es in verschiedene Richtungen streut, das ist wie bei der Popmusik. Es hat sich ein bisschen trivialisiert, verschiedene Leute schauen sich verschiedene Sachen gern an. Ich könnte jetzt nicht sagen, es ist generell gut oder schlecht.
Puntigam: Er ist ein Diplomat.

Diplomatie steht bei Ihrem Programm "Erlösung" nicht im Vordergrund, es ist im Gegenteil ein bisschen verstörend – wie ja auch schon frühere Programme, in denen es auch Ungustln gab. Liegt ihnen das besonders?
Puntigam: Naja, in diesem Fall haben wir es ja geremixt, um dieses Verb zu verwenden, weil wir uns damit auseinandergesetzt haben, was der Matthias in diesem kleinen Soziotop Kabarett darstellt und was ich darstelle, und dann haben wir mit unseren Rollen gespielt. Und ich glaube, er war eine Zeitlang unaufmerksam, deswegen habe ich all die unappetitlichen Sachen auf ihn auslagern können und mir selber diesen wunderschönen Anzug schneidern lassen und so tun, als wäre ich ein sehr freundlicher Flirttrainer. Das kann man dann mögen oder auch nicht, aber die richtig grausigen Sachen muss diesmal er machen, darüber bin ich sehr froh. Und im zweiten Teil habe ich ihn dazu gebracht, dass wir auf der Bühne Austern essen, was wiederum ein dringender Wunsch von mir war, weil ich das sehr gerne mache, und ihm graust davor, aber aus dramaturgischen Gründen hat er nicht auskönnen.