Das blaue Sakko war ganz sicher kein politisches Statement: der Hauptpreisträger Florian Scheuba mit dem Programmpreisträger Martin Puntigam (l.) und dem Sonderpreisträger Fritz Jergitsch. - © Philipp Hutter
Das blaue Sakko war ganz sicher kein politisches Statement: der Hauptpreisträger Florian Scheuba mit dem Programmpreisträger Martin Puntigam (l.) und dem Sonderpreisträger Fritz Jergitsch. - © Philipp Hutter

Wien. Manche hätten eigentlich schon früher damit gerechnet. Heuer gewinnt er den Österreichischen Kabarettpreis tatsächlich: Florian Scheuba, Doyen des heimischen politischen Kabaretts, wurde am Mittwoch in der Wiener Urania - wo am 3. November die Verleihungsgala steigt - als Hauptpreisträger für sein Soloprogramm "Bilanz mit Frisur" präsentiert. Den Programmpreis teilen sich der Grazer Martin Puntigam und das bayrische Enfant terrible Matthias Egersdörfer für "Erlösung" - die Reaktionen auf das Programm der beiden reichten von Beifallsstürmen bis zu erzürnten Unmutsbekundungen.

Auch der Sonderpreisträger hat sich mit seiner Satire nicht nur Freunde geschaffen: Fritz Jergitsch und seine "Tagespresse" haben auf Facebook zwar schon 210.000 Fans und mehr als eine Million Zugriffe pro Monat auf die Website, von ihren Fake-Meldungen fühlen sich aber auch viele auf den Schlips getreten. Wobei Jergitsch offenbar selbst FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der oft genug durch den Kakao gezogen wird, zu seinen Fans zählen darf: "Ich sehe oft, dass er unsere Meldungen postet - freilich die, in denen wir seine politischen Gegner aufs Korn nehmen."



Matthias Egersdörfer war auch mit dabei - irgendwie. - © P. Hutter
Matthias Egersdörfer war auch mit dabei - irgendwie. - © P. Hutter

Kein Fan dürfte Strache hingegen von Scheuba und Puntigam sein, erklärt doch Zweiterer, dass "ich mich nicht überwinden muss, um mein Kreuzerl nicht bei der FPÖ zu machen". Und wenn Scheuba vor der Wien-Wahl empfiehlt, "sich zu überlegen, wer das kleinere Übel gegenüber dem größeren Übel ist", braucht man nicht zweimal zu überlegen, wen er wohl mit Letzterem meint.

200 Jahre Hektiker

Dabei wird Scheubas neues Programm gar nicht so politisch, wie er sagt. Unter dem Titel "Flügel" begibt er sich nämlich gemeinsam mit dem Kabarettisten Robert Palfrader ins Reich des roten Bullen. Der Premierentermin am 7. Oktober, also nur vier Tage vor der Wien-Wahl, ist ein Zufall, Assoziationen mit den Wiener Roten will Scheuba erst gar nicht aufkommen lassen. Die sind schon in seiner "Bilanz mit Frisur", für die er nun den Hauptpreis bekommt, zur Genüge vorgekommen - ebenso wie Strache & Co.

Inwieweit es auch politisch wird, wenn Scheuba am 10. März 2016 die Hektiker wieder zusammenbringt, kann er jetzt noch nicht sagen: "Wir werden uns zusammensetzen und schauen, woran wir uns noch erinnern können. Es wird ein Plauderabend mit Improvisationen und vielleicht auch gelegentlichen Ausbrüchen von Nummern." Der Titel für das Comeback: "200 Jahre Hektiker" - schließlich sind die vier aktuellen Mitglieder (Florian Scheuba, Werner Sobotka, Fifi Pissecker Viktor Gernot) heuer alle 50 Jahre alt geworden.

Bevor sich Scheuba seinen alten Partnern wieder zuwendet, macht er aber zunächst noch einmal gemeinsame Sache mit seinen jüngeren: Mit Robert Palfrader und Thomas Maurer bereitet er noch einmal eine "Staatskünstler"-Bilanzsendung vor, die am 30. Dezember ausgestrahlt werden soll.

Die weitere Zukunft der "Staatskünstler" ist ungewiss


Die weitere Zukunft des Satireformats im ORF ist aber ungewiss. "Wir hatten und haben Pläne für weitere Sendungen, aber wir haben nur die Information bekommen, dass wegen des Song Contests heuer kein Geld dafür da ist. Und nächstes Jahr sind es dann die Pensionen, was ich so höre. Mehr wissen wir leider nicht", meint Scheuba süffisant. Aus dem ORF ist dazu zu hören, dass es auch 2016 eine Jahresbilanz geben soll. Mehr allerdings offenbar nicht.

Puntigam und seine "Science Busters" werden hingegen auch im nächsten Jahr im ORF zu sehen sein. "Wir drehen ab Dezember eine neue Staffel." Ab März geht er dann mit Egersdörfer wieder auf "Erlösung"-Tour. Der Bayer hatte am Mittwoch keine Zeit, um zur Präsentation der Kabarettpreisträger nach Wien zu kommen. Ganz abwesend war er aber dann doch nicht. Denn Puntigam hatte seinen Duopartner als Legofigur mit dabei. Was bei Scheuba Erinnerungen an ein schönes Geschenk seines Sohnes weckte: "Er hat mir ein eigenes Legoset gebaut: Karl-Heinz Grasser im Gefängnis." Auch der wird wohl nicht mehr sein Fan.

Der Österreichische Kabarettpreis wird seit 1999 vergeben. Die heurige Verleihung findet am 3. November ab 20 Uhr in der Wiener Urania statt. Wie bereits im Vorjahr führt Schauspielerin Verena Scheitz durchs Programm, als Laudatoren stehen bisher Rupert Henning und Maschek fest. Der Hauptpreis ist seit 2011 mit 5001 Euro dotiert und wird vom Hauptsponsor HDI Versicherung übergeben, den Programmpreis (4999 Euro) übergibt Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, den undotierten Sonderpreis das "Vormagazin".