In der aktuellen Saison zeigen Sie auch den "Fliegenden Holländer". Der ist an sich an der Staatsoper daheim. Eine Kampfprogrammierung?

Seit das Theater an der Wien wieder Opern spielt, also 2006, hatte ich die Aufgabe, ein komplementäres Programm zu den anderen Häusern zu entwickeln. Überschneidungen mit der Volksoper sind gering, weil wir Operetten ausklammern. Andererseits habe ich mit Staatsopern-Chef Dominique Meyer ein gutes Verhältnis. Wir sprechen uns programmatisch ab und sind beide der Meinung, dass es ein, zwei Überschneidungen geben kann. Ausschnitte aus Wagneropern habe ich schon 2013 konzertant gebracht. Als romantische Oper passt der "Holländer" nun perfekt zu "Hans Heiling". Als drittes passendes Werk hätte sich der "Freischütz" angeboten. Wir zeigen stattdessen Brittens "Peter Grimes", um das 20. Jahrhundert zu präsentieren. Das ergibt einen Bogen mit Opern über Außenseiterfiguren.

Eine Uraufführung gibt es in dieser Saison ja ausnahmsweise nicht . . .

Dafür aber knapp danach, im September 2016.

Ein Tribut an das Shakespeare-Jahr?

Ja, wir zeigen einen neuen "Hamlet". Keine Nacherzählung des Shakespeare-Stoffes, sondern eine psychologische Studie über die Hauptfigur.

Wie gut kann der Kartenverkauf an einem Haus laufen, das nicht zuletzt Raritäten zeigt?

Sehr gut. Der Abonnement-Verkauf für die aktuelle Saison ist mit 6000 Stück fast abgeschlossen, die Premieren-Abos sind alle weg. Wir liegen ungefähr auf demselben Niveau wie im Vorjahr, ich bin sehr zufrieden. Das Interesse am Neuen ist riesengroß. Dabei muss ich sagen, dass ich mit dem "Holländer", Monteverdis "L’incoronazione di Poppea" und Weills "Dreigroschenoper" diesmal - zufällig - ein wenig populärer programmiert habe.

Ihr Job soll in Bälde ausgeschrieben werden. Bewerben Sie sich?

Ja.

Im Vorjahr hat die rot-grüne Stadtregierung versucht, bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) zu sparen. Kurzzeitig kursierte die Idee eines gemeinsamen Intendanten für die Musical- und Opernsparte. Wie groß ist Ihre Freude, dass die Bereiche nun wohl weiterhin getrennt geleitet werden?

Natürlich könnte man von außen auf die Idee kommen, die VBW mit einem städtischen Mehrspartenhaus zu vergleichen, das nur einen Intendanten hat. Der Vergleich hinkt aber. Der Unterschied: In solchen Stadttheatern überlappen die Sparten einander - derselbe Chor, dasselbe Orchester treten in verschiedenen Genres auf. Die VBW sind zwar aus der politischen Überzeugung entstanden, dass es das Beste ist, wenn Ronacher und Raimundtheater - als Musicalbühnen einerseits - sowie Kammeroper und das Theater an der Wien andererseits unter einem Firmendach agieren. Zugleich ist man sich aber bewusst, dass diese Bereiche künstlerisch nichts miteinander zu tun haben. Umso mehr, als die VBW keine klassischen Stadttheater-Musicals, sondern Show-Musicals mit besonderen Ansprüchen zeigen. Das VBW-Musical-Orchester spielt auch nie am Theater an der Wien.

Aber wäre das nicht ab und zu möglich? Das Orchester, im Vorjahr durch eine Subventionsaufstockung gerettet, hätte dann eine noch stärkere Legitimation.

Natürlich sind die Mitglieder des VBW-Orchesters gute Musiker. Aber sie sind Spezialisten für Rock, Pop und Musical. Nun sind zwar auch Skispringer nicht schlecht im Skifahren. Einen Slalom werden sie aber nie gewinnen. Konkret gesagt: Wenn man weiterhin erstklassige Kräfte für beide Genres in den VBW will, dann muss man so weitermachen.