"Flügel" heißt das neue Kabarett-Programm von Robert Palfrader und Florian Scheuba. Eigentlich sollte dieses zweite gemeinsame Programm nach "Männer fürs Grobe" nicht in erster Linie politisches Kabarett werden, aber die Politik lässt die beiden auch privat einfach nicht los. Was hat es aber damit auf sich, dass sie sich laut Ankündigung mit einem "roten Bullen" anlegen wollen?

Wiener Zeitung: Ist das das geschickteste Red-Bull-Product-Placement aller Zeiten?

Florian Scheuba: Dann hätten wir ausgesorgt. Wir spekulieren, ob Dietrich Mateschitz in Zukunft statt Extremsporttrotteln Extremspaßtrotteln wie uns sponsern würde. In unserem Stück geht es um Kapitalismus und Glaube, und wie sehr man da hineinkippt. Selbst wenn man der Meinung ist, ein verstandesgesteuerter Mensch zu sein. Bei Red Bull verbinden sich Glaube und Kapitalismus sehr stark. Red Bull ist ja eine Marke, die darauf aufbaut, dass man dran glaubt, es wird immer wieder davon gesprochen, dass das wie eine Sekte funktioniert, dass Mateschitz ein Guru ist, gleichzeitig ist er der reichste Österreicher und so eine fantastische Projektionsfläche für alle Fantasien.

Wie nötig wäre denn ein Muntermacher heutzutage?

Scheuba: Momentan herrscht eher Lähmung. Das ist eine interessante Parallele zu unserem ersten Programm "Männer fürs Grobe". Da ging’s ja um die Wut und was uns so bewegt und antreibt. Aber hineinsteigern, um wütend zu werden, ist nicht mehr nötig. Gewisse Dinge hat man schon so oft erlebt. Wenn das blöde Kind zum 15. Mal auf die Herdplatte greift, ärgert man sich gar nicht mehr.

Das klingt sehr abgeklärt...

Robert Palfrader: Wir sind ja nie dem Irrglauben aufgesessen, Österreich mit der Fackel der Aufklärung in Brand setzen zu können. Wir haben uns aber schon erhofft, dass wir das eine oder andere aufzeigen können.

Scheuba: Man muss sich von gewissen Leuten verabschieden, weil man sie nicht mehr erreichen kann.

Sie haben kürzlich gesagt, mittlerweile ist Differenzieren eine Kunstform geworden. Wie kam es zu dieser Entwicklung?