"Schwab entwirft ein gnadenloses Menschenbild": Burg-Schauspielerin Regina Fritsch, hier beim Interview in der Garderobe, spielt in Schwabs Bühnenhit "Die Präsidentinnen". - © Robert Newald
"Schwab entwirft ein gnadenloses Menschenbild": Burg-Schauspielerin Regina Fritsch, hier beim Interview in der Garderobe, spielt in Schwabs Bühnenhit "Die Präsidentinnen". - © Robert Newald

"Wiener Zeitung:"Die Sprache von Werner Schwab gilt als besondere Herausforderung für Schauspieler. Wie kommen Sie mit seinem Duktus zurecht?

Regina Fritsch: Anfangs ist es mir nicht leichtgefallen. Die Sätze sind schwer zu merken. Aber je öfter ich die Texte spreche, je mehr ich mir die Figur aneigne, umso mehr wird mir bewusst, wie präzis Schwab formulierte. Ähnlich wie Thomas Bernhard war er ein genauer Menschenbeobachter. Als Schauspieler muss man bei Schwab-Texten gründlich bleiben, darf nichts verschludern.

"Die Präsidentinnen" ist wohl Schwabs größter Bühnenhit, die meisten anderen Stücke werden kaum gespielt. Was zeichnet die Komödie aus?

Das Stück ist genial aufgebaut. Vordergründig ist es amüsant, gleichzeitig entwirft Schwab darin ein gnadenloses Menschenbild. Häufig wird das Stück völlig überzeichnet inszeniert. Das braucht es gar nicht. Das darin beschriebene Grauen ist grauenhaft genug, man muss es nicht auch noch überziehen. Aber in den 1990er Jahren, als es erstmals am Akademietheater herauskam, wollte ich es überhaupt nicht spielen.

Warum?

Damals hat mich die Emotionalität klassischer Bühnenfiguren - etwa einer Julia oder eines Käthchens mehr interessiert. Die Schwab-Figuren hielt ich für abgehobene Kunstfiguren. Heute sehe ich das anders. Was Schwab in seinen Figuren herausarbeitet - Elend, Bigotterie, Missbrauch -, gibt es überall. Das ist ähnlich wie bei Deix-Karikaturen, wenn man genau hinsieht, erkennt man sie wieder.

Von Schnitzler bis Schwab stellen allein schon die Stücke völlig andere Anforderungen an Schauspieler. Wie hat sich der Beruf im Lauf Ihrer Karriere verändert?

Ich habe noch klassische Proben kennengelernt - mit Stellproben, bei denen Regisseure uns Schauspieler bis ins kleinste Detail durchchoreografiert haben. Dann gab es Regisseure, die einem genau sagen konnten, was sie mit der Figur vorhaben, worum es ihnen geht. Die Arbeitsweise der Regisseure hat sich verändert. Heute ist die Zusammenarbeit offener, man geht auf Augenhöhe miteinander um, entwickelt etwas gemeinsam. Als Schauspieler agiert man viel selbständiger als früher.