Robert Palfrader und Florian Scheuba ziehen die Show als "Bullenschweine" ab. Rabenhof/pertramer.at
Robert Palfrader und Florian Scheuba ziehen die Show als "Bullenschweine" ab. Rabenhof/pertramer.at

Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus der Premiere von "Flügel" im Wiener Rabenhof: Erstens sind die beiden Kabarettisten Florian Scheuba und Robert Palfrader mittlerweile (auch dank "Wir Staatskünstler") ein bestens eingespieltes Duo. Zweitens haben sie nicht einmal vor Dietrich Mateschitz Angst. Und drittens sind sie zu brutaler Selbstironie fähig, die selbst im Kabarett in dieser reinen Form eher selten ist.

Aber der Reihe nach. Am Beginn des Abends steht ein Anruf von Red Bull: Mateschitz will die beiden für sein Geburtstagsfest buchen. Erste Reaktion: "Glaubt der, wir sind Kaufkasperln? Oder Unterhaltungscallboys?" Also, das wirklich nicht, dass man sich von Red Bull kaufen lässt, nicht einmal um den horrenden Betrag von 200.000 Euro - oder vielleicht doch? Und schon stecken die beiden Künstler in einem moralischen Dilemma. Denn auch wenn sie natürlich überhaupt keine Sympathie für das Produkt und seinen Schöpfer hegen - und entsprechend nur so mit Bullen-Wuchteln um sich werfen -, drohen ihnen Gattenmord und Scheidung, sollten sie das Geld wirklich ausschlagen.

Entlarvende Probenummer


Also lassen sie die Swarovski-Gala mit Scheubas Lieblingsfeind KHG sausen und proben stattdessen ihren großen Auftritt als "Bullenschweine". Aber nur, damit das klar ist: "Wir lassen uns nicht kaufen. Sicher nicht." Sie werden da natürlich das sagen, was sie zu sagen haben, und sich ihre Satire nicht kaputtmachen lassen, ein Maulkorb kommt gar nicht in Frage. Und während sie das wieder und wieder betonen, kommt, was kommen muss. Hier wird das Programm so richtig entlarvend, und die Selbstironie schießt Scheuba und Palfrader aus allen Poren. Im übertragenen Sinn nehmen sie nicht nur sich selbst auf die Schaufel, sondern graben sich damit auch noch eine Grube, die sie anschließend zubuddeln.

Auch die Hiebe, die sie an Wirtschafts-, Polit- und Extremsport-Promis austeilen, treffen zwar oft sehr tief, sind es aber selbst nicht, ganz im Gegenteil. Man fragt sich, was den beiden hier Flügel verliehen hat - vielleicht die Schartner Bombe, die sie aus Protest auf der Bühne trinken? Egal, eines steht jedenfalls fest: Mit "Flügel" beweist Florian Scheuba eindrucksvoll, dass er den Österreichischen Kabarettpreis 2015, den er am 3. November in der Urania entgegennimmt, absolut verdient hat.