Sonst hätten wir uns vielleicht Serienmörder im Fernsehen angeschaut, heißt es gleich zu Beginn der "Langen Nacht des Kabarett" im Niedermair zur Begründung, warum sich Künstler und Publikum gemeinsam versammelt haben. Und zwar vermutlich genau die Serienmörder, die nach dem Fengshui-Prinzip, nämlich durch Möbelrücken, ihre Opfer zur Strecke bringen. Kasten nach links geschoben und wieder retour - und plötzlich liegt eine Leiche drunter. Glücklicherweise bleiben uns an diesem Abend die Serienmörder im TV erspart. Stattdessen betreten Daniel Maurer und Mathias Novovesky, Berni Wagner, Daniel Lenz und Lisa Eckhart gemeinsam die Bühne und sorgen für Abwechslung.

Hier ist für jeden etwas dabei

Neben gemeinsam einstudierten Darbietungen gibt es vor allem Ausschnitte aus den Soloprogrammen der verschiedenen Kabarettisten. Da wäre der Tiroler Daniel Lenz, der eine besondere Beziehung mit seinem Autonavigationsgerät führt. Eine Liebesbeziehung mit Höhen und Tiefen. Die am Ende durchaus kompliziert wird. Seine Themen sind weniger politisch, vielmehr geht es um Beziehungen. Einen Sketch aus seinem Programm haben die fünf Kabarettisten gemeinsam umgesetzt. Für das Beziehungsgespräch am Frühstückstisch zwischen dem "Es", dem "Ich" und dem "Über-Ich" aus Sigmund Freuds Psychoanalyse gibt es denn auch großen Beifall vom Publikum .

Über das dramatische Gesprächsende dürfte sich vor allem Mathias Novovesky, der Sohn eines Bestatters, gefreut haben. Schließlich finanzieren ihm die Toten den nächsten Skiurlaub. Novovesky zieht es gemeinsam mit Daniel Maurer ins Marchfeld. Eine Tegel- und Schotterebene östlich von Wien. Hier gibt es vor allem Gemüsebauern, das Land ist flach, ergo leben die Leute hier mit Weitsicht. Blöd nur, dass Zuckerfabriken und Lagerhäuser die Sicht versperren. Doch irgendwann, da ist sich das Duo sicher, werden die Japaner vorbeikommen und dabei feststellen, dass es in Fukushima doch nicht so schlimm ist. Aufmerksam machen wollen sie auf die Umweltverschmutzung und zum Umdenken anregen.

Berni Wagner hingegen schlüpft in die Rolle eines Bauernbuam, der die Maiszünsler über alles liebt. Einen Schädling, der im Marchfeld keine Überlebenschance hätte. Und so singt der Oberösterreicher in der vom Publikum verlangten Zugabe über seinen besten Freund, "den Maiszünsler" - obwohl oder gerade weil er der größte Feind seines Vaters ist.

Und dann wäre da noch Lisa Eckhart. Der Frau aus der Steiermark, die mittlerweile in Berlin beheimatet ist, wurde der Bildungsauftrag dieses Abends zugelost, und dem wird sie mit einer speziellen Darbietung gerecht: "Schillers Faust". Ihr Großvater brachte ihr schon früh "Faust" und "Faust 2" bei. Mit Büchern wurde sie auch oft geschlagen. Daher wohl der Name: "Buchumschlag". Ihre Reime und die Inszenierung sind so, wie man es von großen Schauspielhäusern gewohnt ist. Das Publikum ist schwer beeindruckt von diesem hohen Niveau.

Alles in allem: Eine lange Nacht, die viel zu kurz ist.