Lichtblick: Martina Haager als händeringende Judith. - © Bardel
Lichtblick: Martina Haager als händeringende Judith. - © Bardel

Der Abend beginnt mit einem Irrweg. Nein, zur "Mumok Hofstallung" kommt man nicht über den Eingang des Museums. Da heißt es die Treppen wieder runtergehen, im großen Bogen rund um den Gebäudemonolithen und dann, weit hinten im vorletzten Winkel des Museumsquartiers, durch eine Tür. Tatsächlich gibt es dort Räume mit Elektrizität, auch einen Theatersaal. In dem sind die Sessel von zwei Seiten auf eine Leinwand gerichtet: willkommen bei "judith schnitt_blende", einer Uraufführung der Neuen Oper Wien.

Dass die freie Gruppe neuerdings Orte bespielt, die sich ebenso gut als tote Briefkästen eignen würden, dürfte einer Geldnot geschuldet sein. Die Abseitigkeit hat aber auch ihr Gutes. Wer es hierher geschafft hat, verfügt über Willensstärke. Und die wird er im weiteren Verlauf auch brauchen.

Ergiebig ist dieser Abend nämlich nur in Hinblick auf seine Fülle an Judiths. Nicht bloß das Stück heißt so, auch die drei Hauptfiguren sowie die für Musik und Regie verantwortliche Judith Unterpertinger (Tirol, Jahrgang 1977) - und deren Großmutter, der das Werk gewidmet ist. Eine schöne Geste. Nur macht sie noch keine große Kunst. Und dazu sind leider auch die vielen Elemente dieser "Tanzoper" nicht angetan. Während drei Instrumente (Viola da Gamba, Fagott und Clavichord) sowie eine üppige Opernstimme mit Haltetönen, Akkord-Gestotter oder tonalen Plattitüden unterfordert werden, ringen szenisch mehrere Frauen die Hände oder verdoppeln mit anderen Rätselgesten die Projektionen auf der Leinwand. Dazu wird eine Art Blindtext gewispert bis gesungen, der in seinen scheinkreativen Wortfolgen ("Rück? blende - vergess") nur unwesentlich gehaltvoller geraten ist als Hape Kerkelings legendäres Satirekunstlied "Hurz". Unmissverständlich immerhin, wenn das Wesen der biblischen Judith kurz reflektiert wird: "Kopf ab! Kopf ab!", heißt es dann.

Einzig wahrer Lichtblick: die kraftvolle Körperpräsenz von Martina Haager. Nach einer aufgedonnerten Stunde Prätention dann ein letzter Willenskraftakt: Applaus.