Von "Weit.Way.Land" bis "Wiener.Wald.Fiction" hat sich "das.bernhard.ensemble" mit eigenwillig-launigen Collagen aus Bühnenklassikern und Kultfilmen einen Namen gemacht. In seiner jüngsten Produktion "KZ.Imaginaire - (eingebildet und krank)", das nun im Off Theater uraufgeführt wurde, stand Molières "Eingebildeter Kranker" zur Disposition. Dieses Mal arbeitet sich die Truppe rund um Grischka Voss und Ernst Kurt Weigel an einer autobiografisch geprägten Textcollage ab: Autor Weigel thematisiert, wie sehr das Leben seines Großvaters als Kommunist, Widerstandskämpfer und Häftling im KZ Dachau, sein eigenes überschattet und inspiriert.

Die Anleihen an die Commedia dell’arte führen zu etwas zweifelhaften Figuren - neben dem Therapeuten treten noch ein Syrien-Flüchtling sowie eine rechtsradikale Tochter samt Neonazi-Liebhaber auf den Plan, auch kommt es zu etwas bizarren Lazzi, die clownesken Einlagen werden stilecht mit Commedia-dell’-arte-Halbmasken gespielt. Gitarrist Florian Kmet sorgt gekonnt für musikalische Akzente. Doch die besten Momente gehören Grischka Voss. Ausgestattet mit Molière-Perücke und Rüschenhemd, stellt sie Weigels Alter Ego namens Ernesto dar. Eine Figur, hin- und hergerissen zwischen der geordneten Werteskala seines Großvaters und der wankelmütigen Orientierungslosigkeit eines Gutmenschen im Zeitalter des Turbokapitalismus, dem ein Schluck Cola schon ärgste Gewissensnöte bereiten kann. Wohlstand als Krankheit einer Gesellschaft? Widerstand!