Erni Mangold. - © C. Hochenbichler
Erni Mangold. - © C. Hochenbichler

"Man wird nicht als Frau geboren - man wird es." Simone de Beauvoirs berühmtes Zitat ist wie eine Folie, vor der sich Anna Polonis Stück "La Pasada - Die Überfahrt" entfaltet, das nun im Metro Kino zu sehen ist. Der Text handelt von Familiengeheimnissen, Liebesverrat und allein gelassenen Kindern, die bei fremden Müttern aufwachsen mussten. Zugleich verhandelt das Stück aber auch die Frage, wie ein Frauenleben selbstbestimmt verlaufen kann.

Die Protagonistin Flora Stern, gekonnt dargestellt von Erni Mangold, legt kurz vor ihrem Tod eine Art Lebensbeichte ab, aufgezeichnet als Spielfilm. Zu ihrem Begräbnis versammeln sich die versprengten Familienmitglieder (Doina Weber und Martin Schwanda). Vor der Kinoleinwand ist eine meterlange Tafel aufgebaut, auf dem festlich gedeckten Tisch findet der Leichenschmaus statt, unterbrochen wird die letzte Zusammenkunft von Filmeinspielungen mit Flora Sterns intimen Bekenntnissen. Nach und nach offenbaren sich den Akteuren und dem Publikum die enigmatischen Familienbande.

Regisseurin Anna Maria Krassnigg verwebt in ihrer Inszenierung, die "Wiener Zeitung" war bei der Generalprobe, gekonnt Film und Theater. Die Kinobühnenschau, ein mittlerweile in Vergessenheit geratene Genre der Zwischenkriegszeit, erweist sich hier als probates Mittel, um Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Enttäuschung ineinanderfließen zu lassen.