Die Bescherung findet schon am 23. Dezember statt: Als Hannelore und Eugen wie jedes Jahr zum "Nussknacker" in die Oper aufbrechen wollen, liegt ein Baby vor der Tür. Sind sie die Großeltern des kleinen Habib? Kann ihr Sohn Julian, der den Kontakt mit seinen Eltern abgebrochen hat, weil sie seine Partnerschaft mit einem Mann nicht akzeptiert haben, der Vater sein? Fest steht: Die Mutter hat kein Asyl erhalten und ist abgereist. Es muss sich jemand um das Kind kümmern. So beginnt die Komödie "Das Weihnachtsbündel oder Wie weit ist wohin?" von Ronald Rudoll, die am 17. November in der Freien Bühne Wieden uraufgeführt wurde.

Das "Weihnachtsbündel" bringt Leben in die Wohnung mit "brauner Vergangenheit" und lediglich drei Kugeln am Christbaum. Hannelore und Eugen werden zwischen Großelterngefühlen und der Einsicht, das Kind hergeben zu müssen, hin- und hergerissen. Eugen (Gerhard Dorfer) verhindert mit sehenswert gespielter "Spontandemenz", dass die Polizei Habib mitnimmt, Hannelore (Erika Deutinger) verfällt dem "kleinen Weihnachtsengel, der uns mit allen Tricks um den Finger wickelt". Beide erinnern sich der Flower-Power-Zeit, fühlen auch noch als "welke Blumenkinder" den "Samen von Liebe, Freiheit und Toleranz" in sich und wollen sich nicht um das "Geschwätz kleinbürgerlicher Nachbarn" scheren.

Was Regisseur Anselm Lipgens aus dem gut gemeinten Stück, das fast zu viele heikle Themen anschneidet, herausholte, erhielt bei der Premiere reichen Beifall.

Bühne

Das Weihnachtsbündel oder Wie weit ist wohin?

Komödie von Ronald Rudoll

Freie Bühne Wieden, Wien