Dass Nikolaus Harnoncourt die aktuellen Termine seines Concentus Musicus nicht leiten würde können, stand schon länger fest. Beim Konzert am Samstag erfuhr das Publikum dann aber, dass die Ikone der Originalklangbewegung nie wieder einen Auftritt dirigieren würde. Dem Programmheft war das Faksimile eines Briefes beigelegt, den der 85-jährige mit den Worten beginnt: "Meine körperlichen Kräfte gebieten eine Absage meiner weiteren Pläne."

Seit den 50er Jahren hatte Harnoncourt, der vormalige Cellist der Wiener Symphoniker, mit seinem Concentus Musicus vor allem das vernachlässigte Repertoire der Barockzeit neu belebt – nicht selten mit expressiven, unvermutet schroffen Klanggesten. Auf diese Fülle an Konzertsaisonen blickt Harnoncourt mit Genugtuung in dem Brief zurück: "Da kommen große Gedanken hoch: zwischen uns am Podium und Ihnen im Saal hat sich eine ungewöhnliche tiefe Beziehung aufgebaut – wir sind eine glückliche Entdeckergemeinschaft geworden! Da wird wohl vieles bleiben."

Wie es mit dem Concentus weitergeht (die aktuellen Konzerte im Musikverein leitet Erwin Ortner), ist dem Brief nicht zu entnehmen. Harnoncourt, bis zuletzt auch als Dirigent der Wiener Philharmoniker gefragt, schließt seine Mitteilung an die Concentus-Abonnenten mit: "Der diesjährige Zyklus wird noch in meinem Sinne geführt, bleiben Sie ihm treu. Ihr Nikolaus Harnoncourt."