Im Wiener Schauspielhaus ist derzeit Folie ausgelegt. Es sieht ein bisschen aus wie beim freundlichen TV-Serienkiller Dexter. Verständlich, man will sich nicht das schöne Theater von dem ganzen blauen Blut versauen lassen, dass bei so einer Revolution nun einmal unweigerlich spritzt. Arthur Schnitzlers "Der grüne Kakadu" spielt schließlich vor dem Hintergrund der Französischen Revolution in einer Spelunke, die ihr dekadentes Publikum mit vorgespielten Verbrechen amüsiert. Was man glauben kann und was nicht, wird immer unklarer, während draußen die Welt untergeht. "Paris hat jetzt etwas Fieber, das wird schon wieder vergehen", heißt es da etwa einmal, und nicht nur da fühlt man sich unangenehm im Heute berührt.

Klingt schon nach reichlich Potenzial für eine aktualisierte Fassung, wie sie das Schauspielhaus verspricht. Leider vergibt die von Bernhard Studlar aufgerüschte Neuversion die Chance mit einer zerrspiegeligen Revue, bei der man nicht weiß, ob es sich um eine Parodie handeln soll oder eine schrille Verfremdung. Um genau zu sein, weiß man eigentlich gar nicht, was das Ganze soll.

Deka-dance mit Fetisch-Amor

In Lucia Bihlers Regie hat die Wirtin des "Kakadus" sehr beträchtliche Brüste mit Zapfhähnen, aus denen sie Wein ausschenken kann. Quasi Fiebertraum jedes Tipplers mit Rest-Libido. Sie trägt fiesbeiges Latex - der "Kakadu" ist hier nämlich optisch so eine Art bunt-rutschiger Sado-Maso-Swingerclub, in dem man auch mit einem wippenden geflügelten Penis am Kopf adäquat gekleidet ist. Die Schauspieler, allen voran Kara Schröder als Prospère, scheitern fast schmerzhaft daran, das dramatische Stückwerk zusammenzuhalten - es besteht aber immerhin die Hoffnung, dass hier das schlechte Schauspiel nur gespielt wird. Diese Metaebene des Theaters im Theater schimmert ab und zu durch, aber ohne fassbar zu werden. Hinter dem aufgeregten Geplapper, den elektronisch wabernden, aber kaum verständlichen Musikeinlagen von Nicolas Fehr, der als Fetisch-Amor den "Deka-dance" proklamiert, und der zu gewollt schrägen Lametta-trifft-Lack-und-Leder-Optik erahnt man, dass diese neue Fassung vor allem allen Revolutionsfaulen ins Gewissen reden will: "Die Welt ruft an, ich geh nicht ran" - so gibt Prospère die Haltung einer "Augen zu"-Gesellschaft zu denken. Was vielleicht (!) als sinnliche Rauschphantasie über Schnitzlers Stück ankommen will, wirkt bald nur mehr unfreiwillig komisch. Die Folie bleibt übrigens unbefleckt.