• vom 22.01.2016, 16:37 Uhr

Bühne

Update: 22.01.2016, 17:17 Uhr

KosmosTheater

Menschenrecht auf Zeit




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Von Susanne Veil

  • Wie man im Theater den Zwang bekämpft, Sinnvolles zu tun.

Ein Mensch mit einer Erdkugel als Kopf erklimmt zu elektronischen Klängen einen Matratzenberg - in Zeitlupe, denn es geht um "Die Anatomie des Faultiers". Das Stück besteht aus einer Collage aus Szenen, alle mehr oder weniger absurd: etwa die Satire einer Fernsehtalkshow zum Thema Work-Life-Balance oder eine Radio-Runde über die Zeit. Ein Kreuzfahrtschiffs-Animateur verkündet ein im Viertelstunden-Takt durchgeplantes Tagesprogramm. Oder ein recht verzweifelter junger Mensch ruft im Monolog aus: "Die Toilette ist in Deutschland und Österreich noch der letzte ungestörte Ort." Nur dort sei man befreit, vom Zwang etwas Sinnvolles tun zu müssen.

Zusammengehalten wird der Abend von den vier ausgezeichneten Schauspielern Tobias Artner, Florian Haslinger, Michaela Schausberger und Johanna Wolf, die in jeder Szene eine gute Figur machen. Gemeinsam mit Milena Michalek, die Regie führt, und Dramaturg Karl Börner sind sie Teil des Theaterkollektivs "YZMA". Dort will man im Dialog Stücke entwickeln, die sich an laufenden Debatten abarbeiten, ohne Antworten zu präsentieren. In diesem "Lustspiel" begeben sie sich auf die Suche nach dem Potenzial der Langeweile und fordern ein "Menschenrecht auf Zeit".

Die Szenen wirken zwar zusammengeworfen und assoziativ, sind auch witzig und rasant. Einiges bleibt unverständlich, aber langweilig wird es nie. Am Ende scheint sich ein Handlungsbogen zu schließen, Gott sei Dank, denn beinahe hätten wir 100 Minuten mit Zuschauen verbracht, ohne etwas Sinnvolles zu tun.

Information

Theater
Die Anatomie des Faultiers
Kosmos Theater
Wh. 23.1., 26.1.-30.1., 20 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-01-22 16:41:06
Letzte Änderung am 2016-01-22 17:17:21


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