Wer Eric Carmens "All By Myself" kennt und Rachmaninows c-Moll-Klavierkonzert dazu, der weiß: Aus klassischer Musik lassen sich Pophits zimmern. Dass sich daraus auch ganze Musicals bauen lassen, weiß heute nicht mehr jeder. 1953 traten Robert Wright und George Forrest den Beweis an: Ihr "Kismet" basiert einerseits auf einem gleichnamigen Theaterstück über das mittelalterliche Bagdad (im Stile von "Tausendundeiner Nacht"), andererseits auf einer Art Best-of der Musik des Komponisten Alexander Borodin. Kurios, aber: In schaumige bis schmissige Arrangements überführt, mit maßgeschneiderten Gesangstexten versehen, einigem Harfengeglitzer und reichlich Swing-Rums, heimste die Musik des Russen, 67 Jahre nach dessen Tod, einen Tony-Award für das beste Musical ein.

Fulminant fies: Stefan Cerny als Wesir von Bagdad. - © Barbara Pálffy
Fulminant fies: Stefan Cerny als Wesir von Bagdad. - © Barbara Pálffy

Noch heute kann man dieses "Kismet" herausragend finden - zumal, wenn es so knackig und kurzweilig abschnurrt wie derzeit an der Volksoper. Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz hat, gemeinsam mit Dirigent Joseph R. Olefirowicz, eine Konzertfassung erdacht und führt als Erzähler durch die rund zwei Stunden. Dabei strafft sich die verschlungene Orientgeschichte nicht nur wohltuend; man mengt dem Stück, das trotz witziger Songtexte ("Gomorrah got too hot for Lot") einigen Broadwaybombast enthält, eine Prise Ironie bei. So wird die Liebesszene (achtbar: Rebecca Nelsen als arme Schönheit, Ben Connor als Kalif) betont augenzwinkernd angebahnt, pathetische Orchesterfanfaren können auch einmal ins Leere laufen. Für Witz und Drive bürgen aber nicht nur ein schnittiges Orchesterspiel, sondern auch Rod Gilfry als orgelnder Gückspilz Hajj sowie die herzhaft röhrende Kim Criswell als Lalume, ihres Zeichens erotisch unterversorgte Gattin des Wesirs. Als Letzterer schießt Stefan Cerny den Vogel ab: Mit einem Schurkenbass, so kristallklar wie scharfkantig, brüstet er sich in "Was I Wazir?" zähnebleckend seiner Schandtaten. Zwei Beifallsstürme allein dafür, zuletzt kollektiver Jubel.