• vom 25.01.2016, 17:41 Uhr

Bühne

Update: 25.01.2016, 17:48 Uhr

Musicalkritik

Pointiertes Patchwork




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Das Musical "Kismet" in einer kurzweiligen, knackigen Konzertfassung an der Volksoper.

Wer Eric Carmens "All By Myself" kennt und Rachmaninows c-Moll-Klavierkonzert dazu, der weiß: Aus klassischer Musik lassen sich Pophits zimmern. Dass sich daraus auch ganze Musicals bauen lassen, weiß heute nicht mehr jeder. 1953 traten Robert Wright und George Forrest den Beweis an: Ihr "Kismet" basiert einerseits auf einem gleichnamigen Theaterstück über das mittelalterliche Bagdad (im Stile von "Tausendundeiner Nacht"), andererseits auf einer Art Best-of der Musik des Komponisten Alexander Borodin. Kurios, aber: In schaumige bis schmissige Arrangements überführt, mit maßgeschneiderten Gesangstexten versehen, einigem Harfengeglitzer und reichlich Swing-Rums, heimste die Musik des Russen, 67 Jahre nach dessen Tod, einen Tony-Award für das beste Musical ein.

Fulminant fies: Stefan Cerny als Wesir von Bagdad.

Fulminant fies: Stefan Cerny als Wesir von Bagdad.© Barbara Pálffy Fulminant fies: Stefan Cerny als Wesir von Bagdad.© Barbara Pálffy

Noch heute kann man dieses "Kismet" herausragend finden - zumal, wenn es so knackig und kurzweilig abschnurrt wie derzeit an der Volksoper. Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz hat, gemeinsam mit Dirigent Joseph R. Olefirowicz, eine Konzertfassung erdacht und führt als Erzähler durch die rund zwei Stunden. Dabei strafft sich die verschlungene Orientgeschichte nicht nur wohltuend; man mengt dem Stück, das trotz witziger Songtexte ("Gomorrah got too hot for Lot") einigen Broadwaybombast enthält, eine Prise Ironie bei. So wird die Liebesszene (achtbar: Rebecca Nelsen als arme Schönheit, Ben Connor als Kalif) betont augenzwinkernd angebahnt, pathetische Orchesterfanfaren können auch einmal ins Leere laufen. Für Witz und Drive bürgen aber nicht nur ein schnittiges Orchesterspiel, sondern auch Rod Gilfry als orgelnder Gückspilz Hajj sowie die herzhaft röhrende Kim Criswell als Lalume, ihres Zeichens erotisch unterversorgte Gattin des Wesirs. Als Letzterer schießt Stefan Cerny den Vogel ab: Mit einem Schurkenbass, so kristallklar wie scharfkantig, brüstet er sich in "Was I Wazir?" zähnebleckend seiner Schandtaten. Zwei Beifallsstürme allein dafür, zuletzt kollektiver Jubel.

Information

Musical
Kismet
Wh.: 28. und 31. Jänner





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-01-25 17:44:07
Letzte Änderung am 2016-01-25 17:48:50


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die neue Einstimmigkeit
  2. "Euryanthe" als packendes Kammerspiel
  3. Latzhosen in Vitrinen
  4. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  5. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull
Meistkommentiert
  1. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  2. "Die Weißwurst muss dir freundlich gesinnt sein"
  3. Die neue Einstimmigkeit
  4. ORF teilt TV-Sender gesellschaftlichen Gruppen zu
  5. Das mörderische Internet der Dinge

Werbung



Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung