Der ganz normale Familienwahnsinn in all seiner Buntheit: Vier Personen reden durcheinander, die Möbel auf der Bühne (Marcus Ganser) spiegeln das wider: roter Tisch, schwarze Sessel, blaue Kästchen, grüne und gelbe Regale. Nur der gehörlose Billy schweigt, während seine Eltern Christopher und Betty sowie seine Geschwister Ruth und Daniel auf teils recht derbe Art streiten.

Billy kommuniziert durch Lippenlesen und unartikuliertes Sprechen. Die österreichische Erstaufführung von Nina Raines Drama "Sippschaft" im Wiener Theater Scala zeigt, wie es alle Familienmitglieder belastet, wenn ein Kind nicht der "Norm" entspricht, wie falsch gut gemeinte Erziehung sein kann, wie schwierig, aber wichtig es ist, Gefühle zur rechten Zeit richtig auszudrücken.

Die geglückte Inszenierung von Babett Arens können - dank eingeblendeter Texte - sowohl Hörende als auch Gehörlose gut verfolgen. In einer berührenden Szene erzählt Billy, dass er sich in Sylvia verliebt habe, ein Mädchen aus einer gehörlosen Familie. Sylvia, die gerade erst ihr Gehör verliert, lehrt Billy die Gebärdensprache, die ihm seine Eltern vorenthalten haben.

Nicht ohne Vorurteile


Thomas Marchart (Billy) und Melanie Flicker (Sylvia), die ganze Szenen in Gebärdensprache spielen, wirken sehr authentisch. Clemens Aap Lindenberg (Christopher) als cholerisch-selbstsicherer Vater mit Vorurteilen, Marion Rottenhofer (Betty) als um Harmonie bemühte Mutter, Anna Sagaischek (Ruth) als unfreiwillige Single-Frau und Eric Lingens (Daniel) als eifersüchtig an Billy hängender Bruder steuern den richtigen Rahmen bei.

theater

Sippschaft

Theater Scala, Wh.: bis 26. Feb.