Die Volksoper hat in ihre Neuproduktion aber auch so manchen Heymann-Ohrwurm gesteckt, der eigentlich nicht in das Stück gehört. Und: Es sind auch ein paar Tupfen Kolonovits dabei. Der hat einen Strauß-Walzer, der schon für den Film von 1931 adaptiert wurde, in die poppige Gegenwart geholt. "Es gibt Stücke", sagt der Arrangeur, "die aus einer Heutigkeit heraus sprechen dürfen."

Apropos Klangideal: Wie sieht Kolonovits im Rückblick seine VSOP-Alben? War der Sound nicht doch etwas üppig? "Ich glaube, das war damals ein guter Anfang. Natürlich war das Orchester danach schwerstens in der Kritik. Aber die Musiker waren sehr dankbar, sie haben viel gelernt. Und finanziell lief das wahnsinnig gut. Wir haben vier Millionen Platten verkauft."

Größter Komponist: McCartney


Wobei es schon möglich wäre, dass sich ein solches Projekt heute anders anhören würde. "Man hatte damals die Tendenz, dick zu orchestrieren, wenn schon ein Orchester da war." Ein Peter Gabriel oder Sting würden den symphonischen Klang heute anders einsetzen: "Die Orchester tragen da etwas bei zur Komposition, sie werden nicht mehr als klassisches Gebäude gesehen. Wobei man sagen muss, dass Orchestermusiker heute Pop spielen können, was in den 70er Jahren noch nicht ging."

Mit Orchestern hat Kolonovits aber nicht nur im poppigen Sinne zu tun. Für José Carreras hat er die Oper "El Juez" geschaffen, in deren Rahmen die Tenorlegende süffigen Puccini-Schmelz servieren kann (diesen Juli übrigens auch im Theater an der Wien). Ein ganz anderer Tonfall also als in der sogenannten Neuen (atonalen) Musik.

Wie geht es Kolonovits mit ihr? "Gut - nur nicht mit der Einstellung, die sie in Wien hat. Ein Philip Glass, ein John Williams würden hier verlacht werden. In den USA funktioniert das nicht." Für Kolonovits gibt es schlicht "keine Musik, die man nicht ernstnehmen sollte, wenn sie gut gemacht ist." Das Wort Entertainment lässt er sich nicht madig machen, ebenso wenig das große Gefühl: "Im Grunde interessiert keinen Zuhörer der Intellekt einer Musik. Das einzige, was Platten verkauft, ist Emotion. Der Output muss Gefühl sein." So ist der größte Komponist des 20. Jahrhunderts für ihn auch nicht etwa Arnold Schönberg, sondern Paul McCartney. "Ich liebe Schönberg, keine Frage. Aber McCartney hat mehr bewegt."