Vom Saal gefeiert: Juan Diego Flórez als Roméo. - © Staatsoper/Pöhn
Vom Saal gefeiert: Juan Diego Flórez als Roméo. - © Staatsoper/Pöhn

Genau 20 Jahre ist es her, da machte Juan Diego Flórez über Nacht Furore: Ursprünglich für eine Nebenrolle gebucht, sprang er beim Rossini-Festival von Pesaro als Protagonist ein. Seither ist der feingliedrige Mann aus Lima zum Weltmarktführer im Belcanto-Gesang aufgestiegen - und bewies dies in Wien etwa als Tonio, der Hohe-C-Jäger aus Donizettis "Regimentstochter", oder zuletzt als fescher Ernesto im "Don Pasquale".

Doch kommt Zeit, kommt die Lust am Repertoirewechsel: Seit den Vorjahren lässt Flórez vermehrt Versuchsballons im französischen Fach steigen. Mit medialem Rückenwind: Über die Rolle des Koloratur-Sprinters, so hieß es, habe sich der 43-Jährige hinausentwickelt; sein Tenor sei runder geworden, kraftvoller im Zentrum.

Sein Staatsopern-Debüt in Gounods "Roméo et Juliette" geriet nun jedenfalls zum Erfolg - mit kleinen Abstrichen. Aus engen Notenketten schlägt Flórez erwartungsgemäß leicht Kapital; sein nasal-nobles Timbre verleiht ihm eine edle Inbrunst, die er vokal ebenso fein abzustufen weiß wie in seinen Gesten. Dieser Roméo kann freilich auch zupacken: Dicht gedrängt, betören seine Forte-Ausbrüche durch ihre Innenspannung. Nur ein Quantum Süffigkeit, das würde man sich wünschen. Mitunter auch mehr Klanggewicht.

Durchwachsenes Ensemble

Recht inhomogen indes das Umfeld. Marina Rebeka erwies sich in der klobigen Jürgen-Flimm-Regie zwar als durchaus wirkmächtig - eine Julia von teils ungeschliffenen Spitzentönen, aber einer vokalen Leuchtkraft, wie aus der Laser-Kanone geschossen.

Daneben überragten jedoch nur Carlos Osuna (als präsenter Tybalt) und die lebhafte Rachel Frenkel (Stéphano) eine musikalische Mittelprächtigkeit, zu der das Orchester und ein anfangs wackeliger Chor unter Marco Armiliato Mediokres beitrugen.