Energisch: Carmen (Kawa ek) betört Don José (Birch). - © Prammer
Energisch: Carmen (Kawa ek) betört Don José (Birch). - © Prammer

Hüften lügen nicht, heißt es in einem Popsong von Shakira. Man kann diesen Spruch getrost auf die ehrlich-lustvolle Carmen von Georges Bizet beziehen - oder jedenfalls auf jene Lebefrau, die die Wiener Kammeroper seit Mittwoch zeigt. Im luftig roten Kleid knallt diese heutige Carmen zur Begrüßung ihren Hintern gegen ein Autowrack; dann beginnt sie auch schon, sich in Herz und Unterleib von Don José zu singen. Micaëla, das brave Hausmütterchen daneben, hat gegen dieses rauchende Schrottplatzluder keine Chance. Fort muss sie. Dionysisches folgt.

Es ist dann aber auch schon José, der als Nächster entsorgt wird. Er sieht hier auch mehr nach einem Postler als Soldaten aus (Ausstattung: Patricia Walczak). Und dann taucht ja noch Escamillo auf, dieser Oberstecher der Torero-Zunft. Im Latin-Lover-Ouftit, wirft er erst einmal einen Schuft vor seiner Herzdame in den Staub.

Nur rund zwei Stunden dauert diese "Carmen" auf kleiner, sparsamer Bühne (Regie: Andreas Zimmermann). Wozu es diese Produktion gibt, erschließt sich anfangs freilich nicht ganz. Ja, Tscho Theissing hat den Orchesterpart auf eine Drei-Personen-Begleitung reduziert - eine hübsche Spielerei, vor allem dank Kontrabassist Georg Breinschmid und seinen typischen Jazzausreißern und Spaßetteln (Geige: Sebastian Gürtler, Akkordeon: Tommaso Huber). Neue Werkperspektiven beschert dies aber nicht.

Bemerkenswert jedoch die Leistung der Sänger: Ohne den Ballast eines Begleitorchesters und die Pflicht zur Operngeste für die ganz große Bühne, werden immense Energien frei. Dabei begeistert vor allem Natalia Kawałek als Carmen mit furioser, teils am Swing der Begleiter andockender Tongebung und einem physischen Totaleinsatz; Viktorija Bakan singt die Micaëla mit präziser Dringlichkeit; und neben dem leidenden Thomas David Birch (Don José) gibt Tobias Greenhalgh (Escamillo) einen prächtigen Hormonprotz in Bild und Klang ab: allgemeiner Jubel.

Oper

Carmen

www.theater-wien.at; bis 9. April