Schutzmechanismus des Kulturkonsumenten oder Erahnen des Drucks, der auf den Bühnendarstellern lastet: Vielfältig lassen sich die Unzulänglichkeiten mancher Liveaufführung entschuldigen. Umso trauriger, wenn - vor allem aus aktuellen Krankheitsgründen an allen Ecken der Bühne - zu wenige Ankerpunkte für die Erinnerung bleiben. Noch dazu für eine schöne Erinnerung an eine Staatsopernaufführung des Strauss’schen Meisterwerks "Ariadne auf Naxos".

So intensiv ausgefeilt das Orchester agierte, so wenig wollte Kapellmeister Cornelius Meister mit dem Ensemble in die vielen thematischen Feinheiten der Partitur eingehen. So erfrischend Kammerschauspieler Peter Matić dem Haushofmeister seine beliebte Stimme lieh und Sophie Koch als zitternder Komponist eine richtig verzweifelte Partie hinlegte - so wenig konnte Hila Fahima (Ersatz-Zerbinetta für Daniela Fally) die "Großmächtige Prinzessin" hinter dem Ofen hervorlocken. Ihr schönes Timbre kam durch unsichere Stimmführung und kaum Energie im Diskant wenig zur Geltung. Dramatische Noblesse verstrahlte Gun-Brit Barkmin erstmals in der Titelrolle, wobei sie mehr mit Wortdeutlichkeit als Stimmstärke punktete. Ähnliches widerfuhr auch Bacchus-Rollendebütant Gerhard Siegel: Waren ihm nur wenige Momente Bühnenpräsenz gegönnt, wurden diese durch Intonationsmängel getrübt. Aus den soliden Nebenrollen (Caroline Wenborne, Joseph Dennis, Andrea Carroll neu dabei) strahlte der Harlekin von Manuel Walser höchst erfreulich hervor. Eine Wohltat.

Oper

Ariadne auf Naxos

Von Richard Strauss

Wiener Staatsoper