Mit Blick auf die Geschichte Gegenwart verstehen: Nachwuchsdramatiker Thomas Köck. - © Robert Newald
Mit Blick auf die Geschichte Gegenwart verstehen: Nachwuchsdramatiker Thomas Köck. - © Robert Newald

Thomas Köck ist so etwas wie der Autor der Stunde. Seine Stücke wurden vielfach ausgezeichnet, waren an zahlreichen deutschen Bühnen zu sehen. Nun kann man Texte des 30-jährigen Oberösterreichers erstmals in Wien sehen - und zwar gleich an drei Bühnen. Vor dem Aufführungsreigen (Termine: siehe unten) traf die "Wiener Zeitung" den Nachwuchsautor.

"Wiener Zeitung": Sie klingen wie ein gebürtiger Deutscher, dabei kommen Sie aus Steyr.

Thomas Köck: Ich lebe seit einigen Jahren in Berlin und rutsche immer schnell in Sprachmelodien rein. Wenn ich bei meinen Eltern bin, kippe ich sofort wieder in den Dialekt.

Ihren Texten merkt man eine sprachliche Musikalität an.

Bei einem Drama formt man eine Sprache, die gesprochen wird. Da will ich nicht Sätze hören, die in jedem "Tatort" vorkommen könnten. Tatsächlich ist für mich beim Schreiben der Rhythmus das Wichtigste, habe ich den erst einmal gefunden, läuft es wie von selbst. Bei jedem Arbeitsprozess begleitet mich ein Soundtrack von etwa fünf bis 15 Liedern.

Warum kommt in "jenseits von fukuyama" ein Chor vor?

Der Chor ist ein Element, mit dem man sich viel erlauben kann. Er kann sich in jedem Raum bewegen, sämtliche Meinungen vertreten, ohne sich als Figur beglaubigen zu müssen. Ein Chor eröffnet einen polyphonen Spielraum.

In "Isabelle H." beklagen Sie, dass das Gegenwartsdrama kaum mehr auf den großen Bühnen stattfindet. Warum ist das so?

Das verstehe ich auch nicht. Ich sage immer: Kommt, lasst es uns auf der großen Bühne machen.

Derzeit arbeiten Sie mit dem Schauspielhaus an der Outdoor-Performance "Strotter".

Es entsteht durch kollektive Autorenschaft. Der erste Autor ist der Raum, also die Stadt, darin wird improvisiert, Material erzeugt und am Ende landen wir in einem performativen Live-Hörspiel, bei dem das Publikum im öffentlichen Raum in Bewegung sein wird.

Ihre Stücke verhandeln politisch relevante Themen. Gibt es am Theater eine Rückkehr zum Politischen?

Das liegt nahe. Wenn ich auf der Bühne "Ich" sage, denke ich automatisch mit, in welcher Welt lebt dieses "Ich".