Was interessiert Sie an historischen Fragestellungen wie in "Kudlich - eine anachronistische Bauernoper"?

"Kudlich" wird sicher nicht als akkurater Kostümschinken daherkommen, vielmehr geht es um Themen von damals, die uns heute erneut beschäftigen: Wie kann man Europa restaurieren und gegen nationalstaatliche Kriege immunisieren? Lässt sich dieser Kontinent durch einen gemeinsamen Markt befrieden? Heute tendiert man dazu, historische Parallelen zu übersehen. In dem Moment, in dem man sich als historisches Wesen begreift, kann man sich aber lösungsorientierter zur Gegenwart verhalten. Auch lehrt die Geschichte, dass Grundwerte wie Demokratie, Freiheit, Menschenrechte innerhalb einer Generation vergessen sein können.

Ihr Blick auf ein neues und zeitgenössisches Volkstheater?

Ich frage mich, für welches Volk man spricht? Sind es die Menschen, die im Namen des Volkes Zäune gegen Flüchtlinge errichten? Oder geht es um die, die abgeschoben werden? Welches Volk richtet sich gegen welches Volk? Europa brennt, nationalistische Bewegungen erstarken, es ist ein Desaster. Dazu muss man sich als Künstler und als Theater verhalten.

Das Volkstheater stellt sich im Festival "Neues Wiener Volkstheater" Grundsatzfragen: Wie lässt sich Volkstheater heute definieren? Welche Themen sollten zur Sprache kommen? Welche Stile?

Das Festival wird gemeinsam mit dem Max Reinhardt Seminar und den Wiener Wortstätten veranstaltet. Bis Sonntag, 13. März, finden szenische Lesungen im Max Reinhardt Seminar statt (Penzinger Straße 9, 1140 Wien).

Die Wiener Wortstätten laden am Samstag, 12. März, um 15 Uhr zum Dramatischen Salon (Schönbrunnerstr. 9, 1040 Wien).

Eine Gesprächsrunde bestehend aus Thomas Köck, der Schauspielerin Anja Herden und dem Theaterwissenschafter Peter Roessler wird sich mit "Perspektiven auf ein Neues Wiener Volkstheater" beschäftigen. Christina Kaindl-Hönig moderiert: Sonntag, 13. März, 12 Uhr, Volx/Margareten.

Im Rahmen des Festivals wird auch Thomas Köcks Stück "Isabelle H. (geopfert wird immer)" aufgeführt. Premiere ist am Samstag, 12. März, 20 Uhr in der Nebenspielstätte Volx/Margareten.

Im Theater Drachengasse läuft bereits Köcks Stück "jenseits von fukuyama" (die "Wiener Zeitung" berichtete), die Produktion läuft noch bis 16. April. Die nächste Köck-Uraufführung ist die Outdoor-Performance "Strotter" am 1. April im Wiener Schauspielhaus. Für "Kudlich - eine anachronistische Bauernoper" gewann Köck den Preis der Theaterallianz, die Uraufführung findet in der kommenden Spielzeit im Schauspielhaus statt.

Festivalinfo: www.volkstheater.at

Festival "neues wiener Volkstheater"