Eines haben die beiden Performer, die am Wochenende ihre Stücke uraufführten, gemein: Man fühlt und leidet als Zuseher mit den Darstellern. Denn der eine testet seine körperlichen und seelischen Grenzen als ehemaliger Soldat aus, der andere begibt sich auf eine opulente Schiffsfahrt, die ihn scheinbar emotional und körperlich ebenfalls ziemlich an seine Grenzen bringt. Aber gewollt.

Matan Levkowich ist ein Tänzer, Choreograf und Grafikdesigner aus Israel, der im Rahmen des Imagetanz-Festivals im brut seinen "Function Man" demonstrierte - in Zusammenarbeit mit Performerin Claire Lefèvre: Levkowitsch klettert dreimal hintereinander ein Seil hoch, dazwischen steht er kerzengerade mit eng an den Körper gepressten Armen neben dem Seil. Atmet nach jedem Mal Kletterpartie schwerer, wird jedes Mal langsamer, seine Kraft schwindet. Ähnlich auslaugende Übungen folgen, dann singt er mit T-Shirt am Kopf und Ukulele ein selbst komponiertes Lied, erzählt von seiner Kindheit in Israel und seinem Militärdienst. Er ist mehr charismatischer Entertainer als Tänzer. Soll sein, doch dann wäre der Festivalname eventuell einmal zu hinterfragen.

Schiffbruch in
üppigen Bildern

Im Wiener Odeon wagte sich der heimische Performer und Choreograf Bert Gstettner gemeinsam mit Künstler Hannes Mlenek und dem Musiker Günther Rabl an "Medusa*Ode" heran. Théodore Géricaults Bild "Das Floß der Medusa" ist die Grundlage für seine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Thema des Schiffbruchs, nicht nur im wahrsten Sinn des Wortes, sondern auch als Metapher für die Tagespolitik. Eine große Herausforderung, die sich Gstettner mit seinem 1992 gegründeten Ensemble Tanz*Hotel stellt: Üppig ist die Bühnensprache mit Bewegungen zwischen indischem Tanz, Tai Chi und Yoga, wenn Gstettner in einem goldenen Rock und Kopfschmuck den Untergang der Fregatte "Medusa" heraufbeschwört - das Gemälde basiert übrigens auf der wahren Begebenheit eines Schiffbruchs 1816 vor der Küste Westafrikas.

Gstettner demonstriert einmal mehr seine künstlerische Handschrift, die ihn und sein Schaffen seit 1992 unverwechselbar macht. Selten sind jene Performances geworden, die sich diesen inszenatorischen Aufwand noch leisten können und wollen.